Urheberrecht: Die digitale Bananenrepublik

Urheberrecht
Die digitale Bananenrepublik

Dauerdemokratisch sollen Entscheidungen im Internet herbeigeführt werden. Was als Vision dargestellt wird, schließt Teile der Bevölkerung aus: Was machen all jene, die keine Digital Natives sind und wer hat so viel Zeit?
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BerlinDie Demokratie ist gerettet. Endlich. Die Piraten machen es uns vor. Sascha Lobo, der Buchautor und bekannte Blogger, verordnet allen diese Einsicht. Das Parteienregime mit seinen unflexiblen Wahlzyklen ist am Ende, das Volk mischt jetzt live mit. Dauerlive erleben wir die „prozessuale Demokratie mit digitalen Mitteln“. Doch Vorsicht ist geboten bei solcher Anpreisung. Denn wir haben etwas zu verlieren: ein hart errungenes, funktionierendes Demokratiemodell.

Anders als allenthalben behauptet hat die Netzdemokratie nichts mit einem Abstimmungsprozess gemein. Sie ist allenfalls eine Diskursform. Und ob sie als solche wirklich besser ist als die hergebrachte, nur weil jeder nunmehr „dauerdemokratisch“ mitreden kann, darf bezweifelt werden. Schon um die gleichberechtigte Partizipation steht es nicht gut. Zum einen hat das Medium technische Einstiegshürden. Technikagnostische Menschen sind systematisch unterprivilegiert. Beherrschung der Technik führt zu besserer Sichtbarkeit, zu mehr Partizipation.

Zweite undemokratische Hürde: das Zeitbudget. Wie schnell muss man reagieren können, will man mitreden? Wie viel Zeit muss man investieren, um teilzuhaben? Auch hier führt mehr verfügbare Zeit zu mehr Wissen und mehr Meinungspräsenz. Wer viel arbeitet – insbesondere offline – und eine Familie hat, ist automatisch benachteiligt.

Kommentare zu " Urheberrecht: Die digitale Bananenrepublik "

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  • Ein wunderbarer Artikel Herr Gaycken,

    superklar und mutig geschrieben und gegen den Mainstream dieser Technik-Enthusiasten und Online-Szene. Tut gut so etwas zu lesen.

  • Danke für den Artikel - viel Wahres dran und schon unopportunistisch...

  • Sandro Gaycken scheint ja ein wahrer Verfechter der Demokratie zu sein. Nachdem wir über Jahrzehnte ein Demokratiedefizit auf Bundes- und Landesebene erdulden mussten, kommt jetzt dieser Internet-Sicherheitsexperte daher und erklärt uns, dass es wirkliche Demokratie nicht geben kann, weil das "Zeitbudget" zu klein ist.
    Lieber Herr Gaycken: Einen Shitstorm bekommt, wer Shit redet!

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