Urheberrecht
Kunst gibt es nicht gratis

Schluss mit dem Märchen von einer kulturschaffenden Selbstvermarktungsmaschine Internet: Zwar braucht es Verständnis für die Anti-Acta-Bewegung, aber die Diskussion braucht ein höheres Niveau mit mehr Sachlichkeit.
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Das Saarland hat gewählt, und damit zieht nicht nur die Piratenpartei in den zweiten Landtag ein. Zusammen mit den Protesten gegen Acta (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) ist zugleich „die Netzdebatte“ – und damit auch die Frage des Urheberrechts – in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Dabei geht es um mehr als um „ein bisschen Urheberrecht“, nämlich um die Frage, wie wir als Gesellschaft mit dem Internet leben wollen – und zwar durchaus nicht in Abwehr, sondern mit Blick auf die großen Möglichkeiten, die das Netz bietet.

Wie bei der Entstehung der Rockmusik und der Studentenbewegung in den 1960ern befinden wir uns heute am Anfang eines gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, bei dem es um die zentralen Kernthemen Freiheit, Transparenz und gesellschaftlich-demokratische Teilhabe geht. Wenn wir an diesem Veränderungsprozess teilnehmen wollen, müssen wir der neuen Bewegung zuhören. Wenn es aber nur darum geht, dass Kunst und Kultur gratis im Netz verramscht werden sollen, wird der Diskurs für mich zu einseitig.

Eines der Kernprobleme der aktuellen Debatte ist es, dass das Urheberrecht vor dem Hintergrund einer vermeintlichen Freiheitsdebatte von einigen wenigen als ein zu überwindendes Hindernis stilisiert wird. Dabei wird vergessen, dass die Freiheit der einen, nämlich die Freiheit, sich gratis mit Medieninhalten versorgen zu können, dann die Unfreiheit der anderen bedeutet, wenn den Urhebern und Kreativen letztlich die Existenzgrundlage abgesprochen wird. Für mich steht fest: Auch oder gerade in einer digitalisierten Welt brauchen wir ein starkes Urheberrecht. Es ermöglicht dem Künstler überhaupt erst, Wertschöpfung zu betreiben und von seinem Tun auch leben zu können.

Im gleichen Atemzug wird uns auch im Jahr 2012 noch immer vorgeworfen, es gäbe kein ausreichendes legales Angebot im Internet. Wie so viele andere Vorwürfe stimmt auch dieser Vorwurf nicht. Es existieren allein in Deutschland etwa 70 legale Online-Musikangebote, darunter Streaming-Dienste wie z. B. Spotify. Doch selbst das beste legale Angebot kann auf Dauer nicht gegen massenhafte illegale Umsonst-Angebote konkurrieren. Das leuchtet den meisten Menschen, und ich denke auch die „Digital Natives“, ein. Es ist deshalb erforderlich, dass der gesetzliche Rahmen geschaffen wird, der die massenhaften Urheberrechtsverletzungen eindämmt und die Durchsetzung von Rechten im Internet ermöglicht.

Kommentare zu " Urheberrecht: Kunst gibt es nicht gratis"

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  • Ich denke die Musikindustrie muss sich auf kurz oder lang sowieso neue Geschäftsfelder erschliessen.
    Einfch mittels der Gema und Abmahnvereinen den Geldsack aufhalten wird in Zukunft nicht mehr gehen.
    Nur Leistung wird bezahlt wer keine liefert kann dies auch nicht mit Hilfe von gesetzen einfordern.
    Sicherlich tragen u.a. die Piraten dazu bei das sich auch die deutsche Medien Industrie weiterentwickelt und damit wider wettbewerbsfähig wird nicht wie im Moment als reiner Geldeintreiber Globaler Konzerne fungiert.
    MFG Torsten Dörffeldt

  • Das sind eben die Punkte wo die Film- und Musikindustrie besser die neuen Medien nutzen muss. Was das Thema Urheberrecht im Ganzen angeht, das ist natürlich noch ein ganz anderes Thema, wer nun wie lang an welchem Song Rechte hat. Warum es zB hierzlande kein globales Fair-Use-Prinzip wie in den USA gibt usw. Als normalarbeitender Mensch fragt man natürlich auch nach der Verhältnismäßigkeit, warum ein Komponist oder Texter für eine einmalig geleistete Arbeit sein Leben lang entlohnt werden soll, statt wie jeder andere Mensch monatlich neue Arbeit abzuliefern, um sein Geld zu bekommen. Ich hätte zB nichts dagegen, wenn Musik nach 5 Jahren zum Allgemeingut erklärt wird. Aber darüber kann man sich mit Lobbyisten, die Milliarden verdienen wollen natürlich nicht streiten. Da treffen einfach bürgerliche Verhältnisse und Ansichten auf eine kommerzielle gierige Welt. Und jedes Argument, was den Gewinn der Medienindustrie auch nur ansatzweise schmälert, wird ja verteufelt, da der Kapitalismus ja immer über dem Wohle der Bürger steht. Damit muss man sich wohl leider abfinden. Was aus Sicht der Medienindustrie angemessene Einnahmen für ihre Werke sind und was ein herkömmlicher Bürger für angemessen hält sind nunmal zwei Paar Schuhe - d.h aber nicht, dass eine der beiden Seiten Recht hat, sondern dass man sich auch mal zusammensetzen muss um Kompromisse zu finden.

  • Und die Filmindustrie steckt natürlich noch viel schlimmer im Sumpf. Hier muss viel mehr Globalisierung stattfinden. Kinofilme und Serien müssten zeitgleich in den Ländern starten, damit Filmfans in Eurpoa gar nicht erst auf die Idee kommen, sich die Werke Monate vor einem Release in Deutschland, dann in Originalsprache aus dem Netz zu saugen. Hier gibt es zB als Beispiel die neu gestartete Serie "Touch" mit Kiefer Sutherland, die überall zeitgleich anläuft. Nur ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das müsste für alle Filme und Serien durchgeführt werden, um gerade die europische Piraterie mehr einzudämmen. Man kann die Film-Downloader verteufeln wie man will, aber sie sind auch nur Konsumenten, die sich ausgeschlossen fühlen. Gebt ihnen was legales und sie werden es auch dankend annehmen.

    Auch die Zeitspanne zwischen Kino und DVD/BluRay-Release muss noch kürzer werden. Alles was den legalen Bezug zeitlich verzögert sind doch die Hauptursachen für die illegalen Downloads. Kino mag schön und gut sein, aber nicht jeder will wegen jeden Film ins Kino rennen, sondern ihn sich vllt einfach daheim auf dem Sofa angucken. Warum gibt es zB nicht gleichzeitig die Möglichkeit sich den Film auch OnDemand im Internet anzuschauen? Kann es der Filmindustrie nicht egal sein, wo man den Film anschaut? Klar verhindert das alles nicht die illegalen Downloads im Ganzen, aber man wird immer ein paar Prozente dazugewinnen können, vorallem wenn die Preise angemessen sind und man nicht gleich 5-8 Euro pro Stream verlangt. Hat die Filmindustrie nicht mehr davon wenn sich 1.000.000 einen Film für 2,50 im Inet anschauen, als die gleiche Zahl an illegalen Downloads?

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