Vorstandswechsel bei Autobauern
Lasst die guten Alten länger ran!

BMW-Chef Reithofer geht, VW-Chef Winterkorn tritt kürzer. Jüngere Nachfolgekandidaten laufen sich warm. Doch „gute Alte“ sollte man nicht aussortieren. Warum ein Grenzalter kein gutes Kriterium ist – ein Gastbeitrag.
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Einer geht. Gut, das kommt vor. Einer geht, weil er eine Altersgrenze erreicht hat. Was immer das ist, aber auch das kommt vor. Einer geht, weil er mit zweiundsechzig eine Altersgrenze erreicht hat. Das kommt vor, aber das kommt einem komisch vor.

Geht der mit zweiundsechzig, weil er nicht mehr lernt? Dann wär's ja in Ordnung. Aber es ist nicht wahrscheinlich. Es gibt kaum noch Spitzenmanager, die nicht mehr lernen. Die Beratungsresistenten sind ja längst aussortiert, die Großmänner sind weg, und die Hartmuts werden von Zeit zu Zeit ausgetauscht.

Ich könnte die Geschichte von zwei Klienten erzählen – ich bin Executive Coach. Der eine ist sechzig, ein anderer ist vierundsechzig. Ein Coaching, mit vierundsechzig, das gibt es. Und die lernen, die kommen zu Tür herein und fragen: Was kann ich besser machen? Und dann geht es los, Ideen, ausprobieren, noch mal von der einen Seite gedacht, noch mal von der anderen Seite gesagt. Den Rest kennen sie. Die so sind, sind jedes Geld wert und in jedem Alter. Und ich sage Ihnen, die beiden sortieren sie so schnell nicht aus. Nennen wir sie „die guten Alten“.

Und es gibt die mit 49, die jedermann auf die Nase binden, dass sie eigentlich schon bald „nicht mehr arbeiten“ wollen. Nicht mehr arbeiten wollen, was für ein Ziel! Nicht mehr lernen können, oder nicht mehr lernen wollen schon eher. Das sind die mit den Bedenken, das sind die, die um fünf müde werden, die das Wort „Golf “ hin und wieder aussprechen oder einmal zu oft. Nennen wir sie „die schlechten Jungen“.

Dass es die gibt, wäre nicht weiter schlimm, wenn es die nicht auch im Spitzenmanagement gibt, nach allem, was man hört. Aber mehr weiß ich über die nicht, als Executive Coach kenne ich die nicht, denn die schlechten Jungen lernen ja auch nicht.

Aber was macht die guten Alten aus? Gerade die, von denen wir nach Alter annehmen, die könnten gehen, sind oft die Findigsten, was Strategie und Weitblick angeht. Anders gesagt: Die lernen jeden Tag. Es sind 1a-Typen. 1a Typen bleiben 1a, immer 1a. Wer als 1a-Typ sechzig oder fünfundsechzig wird, hat auch dann noch die Ambition, an sich zu arbeiten. Wer mit vierundsechzig lernt, wer mit fünfundsechzig lernt, kann auch ein Dax-30 Unternehmen führen. Und wer so ist, sollte nicht an irgendeiner Altersgrenze stoppen.

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Die schlechten Alten werden „gottähnlich“

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