Wahlkampf-Kolumne
Wohin damit?

In Wahlzeiten haben Versprechungen Hochkunjunktur – und Versprecher. Die öffnen unserem Kolumnisten Hans Hütt den Blick hinter die Kulisse der CDU-Wahlplakate.
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Angela Merkel kehrt aus dem Urlaub zurück. Ihr Weg zurück nach Berlin führt sie über Oggersheim, wo sie Helmut Kohl besucht. Die Bilder der Kanzlerin mit ihrem greisen Ziehvater wirken befangen. Am Samstag nimmt die Bundeskanzlerin an der Eröffnung der Leichtathletikweltmeisterschaften teil. Da geht es sportlich lo-ho-hos. Höher, schneller, weiter.

Nicht so bisher mit dem Wahlkampf der CDU. Die Anwürfe der Wettbewerber verfehlen ihr Ziel. Denn das ist keine Schlafwagen-Kampagne. Die CDU macht Wahlkampf mit Lotuseffekt. Der garantiert eine makellose Oberfläche. Dieser Logik folgen auch die Wahlplakate: "Wir haben die Kraft." Das sei, so Ronald Pofalla, die zentrale Botschaft auf allen Plakaten. Früher, für Helmut Kohl, hieß die Kraft "das Mädchen".

Der Kraftbegriff ist der Politik vertraut, nicht erst seit Physikerin Merkel im Kanzleramt sitzt - als Reibekraft, als Beharrungskraft oder als Fliehkraft. So unterschiedlich diese Kräfte wirken, eine Gemeinsamkeit teilen sie: Wo Kraft ins Spiel kommt, geht das nicht ohne Richtung, selbst beim rasenden Stillstand des Aufderstelletretens.

Wo soll es denn hingehen mit der Kraft der CDU?

Die Antworten bleiben vage. Für mehr hat die Kraft - bei den Plakaten - nicht gereicht. Kraft ohne Richtung aber ist politische Post-Potenz. Die CDU bekommt ihre Kraft nicht auf die Straße. Es scheint sie nicht einmal zu bekümmern. So tätigt sie Leerverkäufe auf das Profil der eigenen Partei. Die Spekulation ist erstaunlich. Die CDU will die Wahlen gewinnen, ohne etwas darüber zu sagen, wie denn der Weg aus dem Tal aussehen wird. In der Antike nannte man das Hybris.

Vor 52 Jahren gewann die CDU mit dem Slogan "Keine Experimente!". Das wäre jetzt gewagt. Aber das zu sagen, auch dafür reicht die Kraft nicht.

Dahin mit ihr.

Hans Hütt, geboren 1953, ist Publizist und Rhetoriktrainer in Berlin. Von 1990 bis 2002 hat er als Strategischer Planer für namhafte Agenturen in Frankfurt, London und Berlin gearbeitet. Von 1996 bis 1999 war er Geschäftsführer der Schader-Stiftung in Darmstadt. Zum Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten hat Hans Hütt den Rhetorik-Blog www.reden-fuer-eine-neue-welt.de begonnen.

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