Weltkonjunktur
„Die Bric-Staaten können uns retten“

Die Bric-Staaten haben noch immer das Potenzial, eine weltweite Rezession abzuwenden. Auch wenn die einstigen Boom-Staaten heute straucheln: Schaffen sie es wieder nach oben, ziehen sie uns mit.
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Im Jahr 2008 sah sich die Welt einer tiefen Rezession gegenüber. Damals liefen wir Gefahr, dass sich eine große Depression wie im Jahr 1929 wiederholen könnte. Doch vor allem zwei Kräfte retteten uns: eine anhaltende und massive Entlastung seitens der Geldpolitik sowie der stetige Aufschwung in den Volkswirtschaften der vier Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China.

Vier Jahre später sind nun die gleichen Sorgen zurückgekehrt, allerdings mit einem Unterschied: Der Westen hat sich mit seinen politischen Initiativen seit 2008 verausgabt. Umso mehr wird deshalb wieder auf die Hilfe durch die Brics gesetzt, obwohl diese Staaten selbst vor großen Herausforderungen stehen. Und: Die Bric-Staaten haben Angst, dass sie selbst in den Abgrund gezogen werden könnten.

Doch schon so wie 2008 habe ich die Hoffnung, dass solche Befürchtungen nicht angebracht sind. Ich bin noch immer überzeugt, dass der steigende Wohlstand und der wachsende Konsum in den Brics jene Länder rettet, die Waren produzieren, die in den Brics nachgefragt werden.

Werfen wir einen Blick auf die Brics insgesamt: Das Bruttoinlandsprodukt dieser Ländergruppe ist seit 2001 von rund drei Billionen Dollar auf 13 Billionen Dollar gewachsen. Das ist etwa so, als würden zwei Drittel der USA neu geschaffen. Allein im Jahr 2011 stieg das BIP der Brics um 2,2 Billionen Dollar und damit in etwa um die Größe der Volkswirtschaft Italiens. Stellen Sie sich das für einen Moment vor: Diese Länder wachsen in einem Jahr um das Volumen der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Für einige Länder hat diese Entwicklung ganz enorme Vorteile. Ende 2011 exportierte Deutschland mehr in die vier Bric-Staaten, als Frankreich insgesamt exportiert. Ich spaße manchmal darüber, dass die deutschen Konzernmultis wohl lieber in einer Währungsunion mit den Brics wären als mit dem Rest Europas. Nur: Werden die Brics weiterhin jedes Jahr um 2,2 Billionen Dollar wachsen?

Für die Antwort auf diese Frage ist China der Schlüsselfaktor, denn es hat die gleiche Größe wie die anderen drei zusammen. Zu den 2,2 Billionen Dollar trug allein China 1,37 Billionen Dollar bei. Zum Verständnis: In einem Jahr wächst China mehr als Indonesien, Korea, Mexiko oder die Türkei. Alle elfeinhalb Wochen schafft China ein zweites Griechenland. Nur: Chinas Wachstum schwächt sich ab, also kann es die Rettung nicht wiederholen, oder?

Kommentare zu " Weltkonjunktur: „Die Bric-Staaten können uns retten“"

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  • "Wir sind eine kraftvollen Nation mit einer goldenen Zukunft und kein Problemland."

    Aber klar doch, mal gucken wenn der Ölhahn oder andere Rohstoffhähne zu ist, wie kraftvoll "wir" dann noch zu beißen können.
    "Wir" sind genauso stark wie wir mit anderen Menschen und Ländern handeln können, und unsere Produkte losschlagen können. Thats its.
    "Wir" können stolz sein, das dieses seit 1945 gut klappt, aber das ist nicht der alleinige Verdienst Deutschlands, sondern der Leute, die hart dafür arbeiten, auch politisch und weltweit.
    Kurzfristige Preiskrisen bei den Rohstoffen durch politische Unwägbarkeiten können darüber nicht hinweg täuschen, wenn ein Land wie z. B. China sowieso alles selbst herstellen kann, und deutsche Importe nicht will, bzw. braucht. Das zeigen diese schon anhand der Einfuhrzölle für Autos.
    Umso wichtiger ist es Europa als Wirtschaftsgemeinschaft zu stärken, sowohl auf Verbraucherseite, als auch auf Seiten der Produktion. Ansonsten ist Deutschland ein Spielball der Weltwirtschaft wie andere kleine Länder auch. Denn andere Menschen von 7 Millarden lernen, aber wer denkt schon daran, wenn man sich mit Stolz geschwellter Brust als Landräuber und Lebensmittelchemiker zur Schau stellen kann.

  • Sie haben völlig recht, aber was sich zur Zeit aufgrund der Krise alles bemüßigt fühlt, mit übelstem Viertel- oder Halbwissen zu glänzen, das geht auf keine Kuhhaut.
    Da hilft nur ein dickes Fell ;-)

  • Welcher Dilettant hat diesen Artikel geschrieben? China hat in annähernd jeden Sektor massive Überkapazitäten, die auf Jahre nicht abgebaut werden können. Provinzregierungen machen schon längst was sich wollen und kümmern sich nur noch um ihr eigenes Wohl.
    In Indien wird es sich in den nächsten 3 - 6 Monaten entscheiden, wie es weiter gehen wird. Die korrupte Staatsapparat behindert und verhindert notwendige Reformen. Ohne Reformen wird kein Kapital ins Land fliessen. Die Rupie hat schon massiv an Wert verloren und wird dies auch noch weiterhin tun. 70% des Oelbedards wird durch Importe gedeckt. Es kann sich jeder selbst ausmahlen, was dies fuer die Inflation in Indien bedeutet. China und Indien sind näher am Abgrund als es viele sich vorstellen können.

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