Gastbeiträge

_

Wolfgang Kubicki: „Steinbrück kann Kanzler - mit der FDP“

Statt mit den Weltverbesserungsplänen der Grünen zu harmonieren, sollte Peer Steinbrück die pragmatische Lösung wählen und mit den Liberalen paktieren - denn die sind ihm näher als er zugeben möchte.

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki. Quelle: dapd
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki. Quelle: dapd

Peer Steinbrück tritt als Kandidat für die Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl gegen Angela Merkel an. Aus der sogenannten Troika hat sich damit derjenige durchgesetzt, dem nicht nur ich, sondern viele weitere Kenner des politischen Parketts die größten Chancen einräumen, sich gegen die Kanzlerin zu behaupten.

Anzeige

Die SPD hat mit seiner Benennung zum Kandidaten eine kluge Entscheidung getroffen. Sie macht deutlich, dass sie auf Sieg setzt. Fakt ist: Peer Steinbrück ist der stärkste Konkurrent für Angela Merkel und hat zudem einen deutlichen Kompetenzvorteil gegenüber allen anderen aus der SPD. Das werden auch die Linken innerhalb der Sozialdemokratie erkennen.

Mit Peer Steinbrück ist es möglich, pragmatische Lösungen zu erarbeiten. Er handelt ergebnisorientiert, ist ein Freund klarer Worte und hat einen fast britischen Humor, der bis an die Beleidigungsgrenze geht - was auf einen interessanten Wahlkampf hoffen lässt.

Ohne Gnade Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht

  • Ohne Gnade: Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht
  • Ohne Gnade: Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht
  • Ohne Gnade: Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht
  • Ohne Gnade: Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht

Peer Steinbrück und ich kennen uns seit über 40 Jahren. Wir haben gemeinsam studiert, gemeinsam das Examen abgelegt, gemeinsam für Schleswig-Holstein politisch gewirkt. Er ist seit über 40 Jahren Mitglied der SPD, ich bin seit über 40 Jahren überzeugter Liberaler. Schon allein deshalb müsste man sagen, dass Sozial- und Freie Demokraten gut miteinander reden können. Es ist die Konstellation zwischen Merkel und Steinbrück, die es auch der FDP erlaubt, den Beitrag des Liberalismus zur Beantwortung der Zukunftsfragen wieder so deutlich in Erscheinung treten zu lassen, dass für die FDP bei der Bundestagswahl ein gutes Ergebnis erzielt werden kann.

Peer Steinbrück kann Kanzler, und ich halte ihn für einen Ausnahmepolitiker in Deutschland, intelligent, messerscharf analysierend. Hinzu kommt, dass ich der festen Überzeugung bin, dass es bei der Bewältigung von Krisen, der aktuellen Staatsschuldenkrise, aber auch der zunehmenden Krise durch islamistisch motivierte Gewalt, weltweit auf Persönlichkeiten ankommt, die Politik nicht unter PR-Gesichtspunkten betreiben, auch wenn sie sich gelegentlich öffentlichkeitswirksam in Szene setzen.

Steinbrücks Regulierungskonzept Mit Bankenschelte auf Stimmenfang

Mit dem Papier zur „Bändigung der Finanzwelt“ eröffnet Steinbrück den Wahlkampf.

Steinbrücks Regulierungskonzept: Mit Bankenschelte auf Stimmenfang

Einen solchen Typus Politiker verkörpert der designierte Kanzlerkandidat der SPD. Ich habe es hautnah erlebt, wie Peer Steinbrück im Ringen mit den Grünen immer wieder versucht hat, notwendige Verkehrsinfrastrukturprojekte in Schleswig-Holstein umzusetzen, die er für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes für unerlässlich hielt. Ich kenne aus eigener Anschauung die Kämpfe in der Sache, weil Peer Steinbrück eine ideologische oder moralische Überfrachtung von Aussagen in der Auseinandersetzung nicht nur wesensfremd, sondern zuwider war und ist. Deshalb muss ich über seine Aussage schmunzeln, er kämpfe für Rot-Grün.

Für mich steht die Kompetenz von Peer Steinbrück außer Frage. Nur er kann im anstehenden Bundestagswahlkampf des Jahres 2013 der Kanzlerin das Wasser reichen und für die SPD mit ihr in den Wettbewerb um die Führung in Deutschland treten.

Das von ihm vorgestellte Konzept zur Regulierung der Finanzmärkte mag Schwächen haben, aber es ist der erste umfassende Ansatz, den Menschen das Gefühl zurückzugeben, die verantwortlichen Akteure meinten es ernst mit ihrer Aussage, das Primat der Politik zurückzuerobern. Vergleichbares hätten Mittelständler und Selbstständige, hätten die Menschen der Mittelschicht, die unter der Finanz- und Euro-Schuldenkrise am meisten leiden, von einer liberalen Partei erwartet, einer ordoliberalen allzumal.

Peer Steinbrück Ein großes Ego mit scharfen Kanten

Der SPD-Politiker will es bei der nächsten Wahl bis ins Kanzleramt schaffen.

Peer Steinbrück: Ein großes Ego mit scharfen Kanten

Peer Steinbrück wird sich davor hüten, die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung in Bausch und Bogen zu verdammen. Er wird nur kurz einen Blick zurückwerfen, weil er weiß, dass die Menschen sich dafür interessieren, wie ihre Zukunft aussieht. Hierin gleicht er Angela Merkel.

Während Letztere versucht, mit Mindestlohn, Frauenquote und Rentenzuschuss zur Bekämpfung von angeblicher Altersarmut den Sozialdemokraten das Feld der sozialen Gerechtigkeit streitig zu machen, tritt der Volkswirt Steinbrück der Kanzlerin auf dem wahrscheinlich wahlentscheidenden Feld einer pragmatischen Wirtschafts- und Finanzpolitik mit Kompetenz entgegen.

Was kann es für eine Wirtschaftspartei wie die FDP Besseres geben?

Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat eröffnet nicht nur thematisch, sondern auch perspektivisch neue Optionsräume nicht nur für die FDP, sondern auch für die Menschen in unserem Land. Am Ende könnte es heißen: Schach der Königin.

Anzeige

Der Autor ist Fraktionschef der FDP im Kieler Landtag. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

Zurück
Weiter
  • 07.10.2012, 13:44 UhrW.S

    Steinbrück ist schon jetzt verschlissen. Die ganzen Vorwürfe
    zu seiner Beratertätigkeit belasten den Vorwahlkampf. Die merkelhörige Presse zerlegt ihn. Ich kann
    ihn nicht für ernst nehmen, weil er damals als die CDU 2%
    MWSt einforderte ,die SPD für null Erhöhung stand ,am Ende 3% herauskam und dies hinnahm, die Finanzmärkte nicht regulierte, sondern deregulierte, die Basta Politik von Schröder
    innerlich gut hieß, die kleinen SPD Mitglieder wiederum nicht
    auf die Kanzlerreise mitgenommen wurden,Ha4 mitzuver. hat.
    Die Troika hat entschieden und nicht die Plakatkleber.Basta!!!
    So klar wie diesmal die Wahl für Merkel ausgeht, so klar war
    dies noch nie. Frau Professor Höhler bringt in ihrem Bestseller
    alles auf den Punkt. Einfach abwarten, nicht sagen, aussitzen.
    So einfach ist es! Es wäre gut wenn er auf eine dt.Professorin
    hören würde denn da könnte er noch was lernen,aber er weiß
    ja alles besser .Wer will so einen Besserwisser? Ich nicht!
    Noch ein Punkt habe ich vergessen. Er hat sich auch nicht
    vor Monaten, als die Regierung die Arbeitnehmer ,Stichwort
    "kalte Progression" um 6 Milliarden entlasten wollte eingesetzt.
    Im Bundesrat ist diese Steuerentlastung von der SPD und
    den Grünen abgelehnt worden. Das rächt sich!
    Er wird m.E vom Kavalleristen zum Infanteristen enden!
    MfG
    Walter Schmid

  • 05.10.2012, 13:35 UhrTsais

    Das waehre schoen. Hoffen wir's beste!

  • 05.10.2012, 13:33 UhrTsais

    Die SPD soll sich dazu erniedrigen mit der Mietpartei FDP zusammenzuarbeiten?

    Wie soll denn das gehen? Die FDP will alles tun um das Rentier dasein der top 10% auf immer zu erhalten.

    Wir braeuchten mal eine Regierung die mehr Steuern auf Kapital erhebt als auf ehrliche Arbeit. Natuerlich geht das nicht: "Oh Gott oh Gott, das ganze schoene Geld wuerde ja nur ins Ausland verlagert"

    Und die Lohnsklaven werden auch noch dafuer beschimpft das sie ja zu gut leben, und damit den Staat in die Schulden getrieben haben...

    Alles erstunken und erlogen. Das ist ueberhaupt nicht der Fall. Die ganzen Staatsschulden liegen als Irrwitziger Reichtum bei ein paar Privatleuten rum. Wie in Russland, USA, Korea und ueberall anders auch. Rechtsstaat? Mit der FDP? klar, sicher, traeumt mal schoen weiter...

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Was für eine Verschwendung

Was für eine Verschwendung

Berlin will zwei Standorte der Landesbibliothek zusammenführen. Klingt sinnvoll. Doch die Kosten-Prognose erinnert an andere Großprojekte, die viel zu teuer ausfallen. Die Standortwahl setzt noch eins drauf.

Was vom Tage bleibt: Franzosen würden Merkel wählen

Franzosen würden Merkel wählen

Eine Umfrage sieht Merkel in Frankreich ganz vorn. Die Zentralbank denkt weiter über eine Schuldengemeinschaft und die SPD über eine Vermögenssteuer nach. Und: Das Olivenöl ist in Gefahr. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Je stärker das europaskeptische Lager im Vereinigten Königreich wird, desto wahrscheinlicher wird eine Abspaltung Schottlands. Um separatistische Bestrebungen einzudämmen, sollte sich die EU um die Briten bemühen.

Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

Gastkommentar: Die Reformen im Euro-Raum wirken

Die Reformen im Euro-Raum wirken

Statt zusammen gegen die Krise vorzugehen, findet zwischen Europas Staaten inzwischen ein reger Schlagabtausch statt. Dabei kommen die Krisenländer in Sachen Reformen sogar gut voran. Anerkannt wird das zu wenig.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.