Die von der SPD geforderte Bürgerversicherung ist die falsche Lösung, sagt Top-Manager Wolfgang Reitzle. Warum es mit der Einheitskasse zu einem Absinken des Niveaus der Gesundheitsversorgung in Deutschland für alle käme. Ein Gastbeitrag.

Kommentare

  • Eine Angebot für Beamte wäre, dass sie die Freiheit haben, sich wie Andere auch, privat krankenzuversichern, aber dann auch die Konsequenzen tragen müssen, wie alle Anderen, und nicht wie jetzt, vom Steuerzahler 70% der Beamten-Krankenversicherung und Beamten-Krankheitskosten bezuschusst werden.

  • Lieber Herr Reitzle,
    es gäbe wahrlich viel zu sagen, zu Ihren Argumentationen. Ich möchte mich auf ein einziges konkretes Beispiel beschränken:
    Seit meinem 40. Lebensjahr bin ich als Privatpatient einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zum Urologen gegangen, nachdem ich jedes Jahr zur Terminerinnerung aus der Praxis angerufen wurde. Er hat mich zunächst 15 Minuten ausführlich befragt, dann ebenso ausführlich beraten, bevor er eine gründliche Untersuchung von innen und von außen per Ultraschall durchführte und mir anschließend noch einmal die Ergebnisse erklärte.
    Nach Trennung und beruflichem Neuanfang habe ich mit 55 gerade noch den Absprung in die gesetzliche Kasse geschafft. Als ich mit 56 bei meinem Urologen war hat er mir einen Vortrag über die unzulängliche Bezahlung durch die GKV gehalten und ebenfalls auf die Querfinanzierung durch die PKV verwiesen. Anschließend wurde ich gefragt, ob ich bereit sei, für eine richtige Untersuchung 96 Euro aufzuzahlen. Einmal habe ich das gemacht und wurde wie zu Privatpatientenzeiten untersucht. Mit 57 habe ich das abgelehnt. Daraufhin hat mir der Arzt einmal den Finger in den A… geschoben, gesagt „alles in Ordnung“. Mehr kann er leider zu Kassenkonditionen nicht tun. In zwei Minuten war ich wieder draußen. Nach 16 Jahren Querfinanzierung als Privatpatient habe ich also am eigenen Leibe erfahren dürfen, was diese Querfinanzierung einem Kassenpatienten nützt: Nichts! Null! Nada!
    Übrigens: Angerufen zur Terminerinnerung werde ich von der Praxis auch nicht mehr.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rainer Hitzler

  • Sehr geehrter Herr Reitzle,
    welchen Vorteil hat der GKV-Versicherte von einer, dank Geldern der PKV-Versicherten mit modernen Geräten ausgestatteten Arztpraxis, wenn er in dieser nicht behandelt wird?
    Bei einer Diskussion über den Funktionsmechanismus eines Solidarsystems mit dem größtmöglichen Übel - hier Gesundheitssystem GB - zu drohen und Ängste zu schüren, trifft nicht annähernd das gebotene Diskussionsniveau.
    Ihre Argumentation aufgreifend: Es ist auch kaum nachvollziehbar, welche Vorteile dem Gesundheitssystem entstehen, wenn mein Arzt für eine einfache Behandlung den 1,7 oder 2,3-fachen Satz abrechnet - allein aufgrund meines Status als PKV-Versicherter.
    Herr Groß trifft den in seinem Kommentar den Punkt: Das PKV-System ist dringend reform-bedürftig, wird aber nicht durch Argumente, sondern doch bravourösen Lobbyismus verteidigt. Ihr Beitrag war leider im wahrsten Sinn des Wortes ein Beitrag hierzu.

  • Sehr geehrter Herr Reitzle,
    Es ist schade, dass Sie sich bei dieser wichtigen gesellschaftlichen Diskussion auf ein derart niedriges Niveau undifferenzierter Argumentation begeben. Ich möchte zur differenzierteren Diskussion drei Punkte zum Nachdenken geben:
    1. Die Solidargemeinschaft ist ein Pfeiler unserer Gesellschaftsordnung und auch das Prinzip von Versicherungen. Es sollte nicht für Partikularinteressen z.B. von Aktionären geopfert werden.
    2. Das System der PKV ist ungerecht seinen Versicherten gegenüber und gehört dringend reformiert.
    3. Die Einführung einer hohen hochwertigen Basisversorgung unter Mitwirkung aller bedeutet nicht automatisch die Abschaffung der PKV. Sie kann zusammen mit den GKV an dieser Grundversorgung teilnehmen und mit den GKV im Wettbewerb über Tarife und Leistungen um Kunden werben. Es wird nur die Trennung GKV/PKV aufgehoben. Wer mehr Versorgung will und sie sich leisten kann, kann dies weiterhin tun... über seinen Beitrag zur Solidargemeinschaft hinaus.

    Mit freundlichen Grüßen
    B. Groß

  • Über welche Qualifikation verfügt Herr Reitzle, dass er so einen Beitrag schreibt? Richtig - Keine! Lobbyismus kann nicht offensichtlicher sein.
    Er kennt sich mit der konkreten Ausgestaltung der Krankenversicherung in Deutschland nicht wirklich aus. Er selbst war wohl nie Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse und kennt nur die Welt der privaten KV. Jetzt kann man über Vor- und Nachteile eines getrennten Systems trefflich streiten, aber die Argumente und die Darstellung von Hr. Reitzle sind in vielen Punkten falsch und die Argumente nicht schlagend:
    - es geht nicht um die komplette Abschaffung der privaten Krankenversicherung, sondern das Auslaufenlassen der privaten Vollversicherungen!
    - wem die gesetzliche Krankenversicherung in einer Krankenkasse nicht ausreicht, darf sich – auch heute schon – privat zusätzlich so absichern, dass er den gleichen Leistungsumfang genießen kann wie wenn er eine private Vollversicherung hätte
    - Private (Voll-)Versicherung mögen vordergründig für die Versicherten ein Vorteil sein (geringere Wartezeiten, Arzt nimmt sich mehr Zeit, höhere Honorare für Ärzte etc.), aber man sollte auch die Nachteile darstellen und bedenken:
    o Überversorgung (es wird – gerade aufgrund des Anreizes durch höhere Honorare – deutlich mehr noch als es ggf. bei gesetzlich Versicherten schon der Fall ist, diagnostiziert und therapiert, weil es für das Einkommen des Arztes gut ist, nicht aber für die Gesundheit des Versicherten).
    o Beiträge – Angefangen bei der fehlenden Portabilität der Altersrückstellungen (was ein Problem ist, was der Gesetzgeber gut lösen könnte, aber nicht lösen will) sind es insbesondere die mit dem Alter steigenden Beiträge, die zahlreichen Versicherten zu schaffen machen.
    - Von Einheitskasse kann in Deutschland doch gar nicht die Rede sein. Krankenkassen stehen massiv im Wettbewerb.
    Was fehlt ist eine umfassende und sinnvolle Reform des Systems, um es auch künftig auf hohem Leistungsniveau bezahlbar zu halten.

  • Die Frage ist ja die. Schaffe ich nur die Privaten ab und gründe eine staatliche Einheitskasse? Ja, dann könnte das eintreten, was Herr Reizle schildert.
    Lasse ich allerdings die gesetzlichen Kassen, Bkks usw. bestehen und fördere einerseits den Wettbewerb dieser untereinander aber auch die bessere Zusammenarbeit bei neuen Verfahren, Geräten etc. dann lassen sich doch auch Synergien erzielen und die Beiträge nicht durch Überbürokratie und Behördenähnliches Arbeiten explodieren. Er sollte also fordern, dass bei einer Abschaffung der Privaten das gesamte System reformiert und zukunftsfähig gemacht werden muss. Es gibt doch auch genügend privat Versicherte, die die Tarife mit den Top Leistungen nicht mehr zahlen können und denen der Weg zurück versperrt ist. Oder die in der Rente eine Beitragssteigerung nicht mehr abfangen können und der Lebensstandard leidet. Daran sollte Herr Reizle auch einmal einen Gedanken verschwenden.

  • Ich schließe mich den anderen Nutzern an. Was Herr Reitzle argumentiert hat keinen Halt. Wieso sollte die Senkung der zur Verfügung stehenden Gelder Innovation und Fortschritt verhindern? In der Medizinindustrie agieren weiterhin private Unternehmen, die Innovation betreiben, da es Konkurrenz gibt.
    Die Praxen würden die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel weiterhin nutzen, um auf neuere Technologien etc. zurückzugreifen. Das Argument, dass diese Mittel nicht ausreichen würden, um diese Technologien beschaffen zu können halte ich für unrealistisch.

  • Was Herr Reitzle da schreibt, ist reine Lobbyarbeit für die privaten Versicherungen. Ich kann anhand dieses Berichtes nich nachvollziehen warum eine Bürgerversicherung nicht funktionieren sollte.

  • Die von Herrn Reitzle angezogenen Missstände sind doch kein vernünftiges Argument für ein „weiter so“. Selbstverständlich würde eine Bürgerversicherung mit sozialverträglicher Beitragsverpflichtung ausreichend Geld zur Verfügung stellen, um diese Missstände abstellen zu können. Auch eine Deckelung der Preise für medizinische Geräte wäre hierzu hilfreich.

  • Ein Top Manager berichtet und verfolgt nur seine Eigeninteressen. Dieser Mann
    kennt in Deutschland die Realität nicht mehr. Ein Hausarzt hat keine Geräte zur
    Verfügung. veraltet?? Bei den Fachärzten sehe ich nur moderne Geräte, allerdings
    muss ich lange warten, bis ich einen Termin bekomme. Als Privatkunde ist das
    einfacher.
    Warum verweist er auf England. In Österreich, Schweiz gibt es keine Probleme. Als
    Manager sollte er wissen, dass man sich nicht mit dem Schlechtesten vergleicht.
    Im Endeffekt können sie den Artikel in die Tonne werfen. Keine adäquate Analyse
    Erschreckend

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