Gastbeiträge

_

WTO-Beitritt Russlands: Der Kalte Krieg ist noch in den Köpfen

Der WTO-Beitritts Russland ändert nichts am angespannten Verhältnis mit den USA. Denn die Amerikaner sehen Russland noch wie im Kalten Krieg – und Putin unterstützt dieses Image mit Urteilen wie gegen „Pussy Riot“.

Russlands Premier Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama. Quelle: Reuters
Russlands Premier Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama. Quelle: Reuters

Der Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO vergangenen Mittwoch kennzeichnet das Ende eines langen und mühsamen Verhandlungsweges. Washington hat bei der Aufnahme eine wichtige Rolle gespielt. Dies gilt insbesondere für die Schlussphase, als die USA dafür sorgten, dass Georgien seine Einwände zurücknahm – trotz anhaltender Spannungen zwischen beiden Ländern. Die WTO-Mitgliedschaft Moskaus sollte deshalb einen wichtigen Markstein in den amerikanisch-russischen Beziehungen setzen und ein zentraler Schritt für die Politik des Neuanfangs zwischen den USA und Russland sein. Doch die Wahrheit ist: Das Gegenteil ist der Fall.

Anzeige

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind ausgesprochen angespannt. Dies hat seinen Grund vor allem in dem anhaltenden Schulterschluss zwischen Russland und Syrien. Moskau hält zu Damaskus unabhängig davon, dass das syrische Regime brutale Gewalt gegen das eigene Volk anwendet. Umgekehrt aber hat es der amerikanische Kongress nicht geschafft, endlich das Jackson-Vanik-Gesetz, das noch aus der Hochzeit des Kalten Krieges stammt, aufzuheben. Die Regelung aus den 70er-Jahren erlaubt Handelserleichterungen nur dann, wenn Russland jüdischen Bürgern die Ausreise ermöglicht.

Und nicht nur das: Der US-Kongress überlegt, ob er ein weiteres Gesetz erlassen soll, das Fortschritte bei Handelsbeziehungen in direkten Zusammenhang mit der Lage der Menschenrechte stellt. Das sogenannte Magnitskij-Gesetz sieht vor, einer ganzen Reihe von russischen Bürgern keine Visa mehr zu erteilen. Das Gesetz ist benannt nach dem Investmentbanker Sergej Magnitskij, der 2009 in russischer Haft verstarb.

Russlands WTO-Beitritt „Wir lassen unsere Unternehmen nicht fallen“

Nach 18 Jahren Verhandlung ist Russland Mitglied der Welthandelsorganisation. Viele Unternehmen seien dennoch nicht auf Wettbewerbsdruck eingestellt, räumt Handelsminister Manturow ein - und kündigt Anpassungshilfen an.

Der Kreml hat sich seinerseits darüber empört, dass Washington Menschenrechte und Wirtschaftsbeziehungen miteinander verknüpft. Dies sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands. Hohe russische Beamte haben bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht. Doch solange sich die USA nicht von solchen einschränkenden Gesetzen distanzieren, werden beide Länder nicht viel von den Vorteilen der russischen Mitgliedschaft in der WTO haben.

Russland

Dass sich der US-Kongress nicht zu einer klaren Haltung gegenüber Russland durchringen kann, hat zum einen mit dem Präsidentschaftswahlkampf zu tun. Der Republikaner Mitt Romney hat sich als außenpolitischer Hardliner positioniert, für den Präsident Barack Obama viel zu weich agiert. Seine schärfsten Pfeile hat Romney dabei ausgerechnet gegen den Kreml abgeschossen und Russland als Amerikas größten Feind bezeichnet.

  • 26.08.2012, 16:46 Uhrmargrit117888

    Eenn die Amis allerdings von Menschrechten reden, so dürften sie (wir übrigens auch) keine Geschäfte mit China machen.

  • 26.08.2012, 16:43 Uhrmargrit117888

    Eiegel
    das sit völlig richtig

  • 24.08.2012, 13:17 Uhrbaladin

    Den deutschen pussy riots drohen 3 jahre haft das merkelische system das auf Terror und angst aufgebaut. Leider wir hier immer noch mainstream propganda verbreitet das ich echt schade finde. Usa unterdrücken nichtnur ihre eigenen menschen sondern auch andere nationen occupybewevung oder guantanamo. Und das sollbesser sein als straftäter zuinhaftieren? Mein abbo ist abbestellt

  • Kommentare
Lahmer Bundesparteitag: Reizlose Grüne

Reizlose Grüne

Statt neue Wirtschaftskonzepte vorzulegen, besinnen sich die Grünen bei ihrem Bundesparteitag lieber auf alte Feindbilder. Das mag intern für Einigkeit sorgen, doch voran kommt die Partei so nicht.

Kommentar: Obama – alleine gegen alle

Obama – alleine gegen alle

Die Republikaner sind wütend. Präsident Barack Obama treibt sie im politischen Ring vor sich her und überlistet sie mit seiner Einwanderungsreform. Damit macht er sich unbeliebt, greift aber auch zu populären Kniffen.

  • Kolumnen
Der moderne Mann: Wie man eine politisch korrekte Weihnachtsfeier plant

Wie man eine politisch korrekte Weihnachtsfeier plant

Schon wieder Weihnachten und Herr K. muss eine Feier planen. Schwierig, wenn man dabei auch an die Umwelt denken muss. Und die Vegetarier. Und die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Ob das noch eine Feier wird?

Was vom Tage bleibt: Es lebe die Inflation

Es lebe die Inflation

Draghi kämpft für die Inflation. Die AfD spekuliert sich irgendwann in die Pleite. Die „lahme Ente“ Obama ist putzmunter. Russland eröffnet eine Propagandamaschine am Potsdamer Platz. Das sollten Sie heute gelesen haben.

What's right?: Die Nahles-Reformen entgleisen

Die Nahles-Reformen entgleisen

Andrea Nahles hat mit Mindestlöhnen, Mütterrente und 63er-Rente die deutsche Agenda-Politik revidiert. Nun geraten die Kosten dafür aus den Fugen. Es wird Zeit für eine grundlegende Öffnung des Rentensystems.

  • Gastbeiträge
Steuerpolitik: Neid essen Verstand auf

Neid essen Verstand auf

Der Ruf nach einer Erhöhung der Kapitalertragsteuer wird lauter. Ein Plädoyer für eine investitionsfreundliche Besteuerung in zehn Thesen. Aktionäre dürfen nicht länger bestraft werden.

Gastbeitrag zur Rollenverteilung: „Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“

„Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“

„Klar ist man noch ein Exot“: Ein Hausmann und Vater berichtet darüber, wie es ist, die traditionelle Rollenverteilung umzukehren, und warum er es trotz gemischter Reaktionen immer wieder tun würde.

Gastbeitrag: Über kluge Machtpolitik

Über kluge Machtpolitik

Kluger Machtpolitik geht es nicht nur um den richtigen Mix harter und weicher Mittel. Vielmehr antizipiert sie ihre Wirkung auf Beziehungsgeflechte und die außenpolitische Identität der Staaten, meint Hanns W. Maull.

  • Presseschau
Presseschau: Spiel, Satz und Sieg im Streit um Boni-Deckelung

Spiel, Satz und Sieg im Streit um Boni-Deckelung

Das war wohl nichts. Großbritannien droht mit seiner Klage gegen die Begrenzung von Banker-Boni vor dem EuGH zu scheitern, Schatzkanzler Osborne hat jetzt einen Rückzieher gemacht. Die Wirtschaftspresse begrüßt das.