Yu Yongding
„China hat keine andere Wahl“

China hat die Aufwertung seiner Währung zu lange hinausgezögert und damit den Wiederausgleich der Leistungsbilanz zu einer kostspieligen Angelegenheit gemacht. Jetzt steht das Land vor einem Dilemma, denn eine kräftige Kursbewegung könnte die Handelsbilanz schwächen. Ein Kommentar von Ex-Notenbanker Yu Yongding
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Die chinesische Notenbank (PBC) hat im Juni das Ende der 23-monatigen Dollar-Bindung und die Rückkehr zum im Juli 2005 eingeführten Wechselkurssystem angekündigt, das vor der Krise bestand. Bislang freilich hat der Yuan gegenüber dem Dollar nur langsam aufgewertet. Wird sich das Tempo der Aufwertung ausreichend beschleunigen, um die amerikanischen Forderungen zu erfüllen? Und falls ja, werden deshalb die globalen Ungleichgewichte schneller verschwinden?

Es lässt sich angesichts Chinas hoher, anhaltender Leistungsbilanz- und Kapitalbilanzüberschüsse schwer bestreiten, dass der Yuan unterbewertet ist. Doch trotz des Endes der Dollar-Bindung scheint eine schnellere Aufwertung auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Chinas offizielle Haltung ist, dass die Aufwertung der Landeswährung von der Regierung selbst gesteuert werden müsse und allmählich sowie kontrollierbar erfolgen soll. So ließen sich negative Auswirkungen eines stärkeren Yuans auf Chinas Exporte und damit die Beschäftigung vermeiden.

Das derzeitige Wechselkurssystem, das den Yuan an einen Währungskorb bindet, wurde konzipiert, um der Zentralbank Spielraum bei der Kontrolle des Tempos der Aufwertung zu geben und zugleich Schwankungen im Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar in beide Richtungen herbeizuführen. Damit wollte sie Spekulanten von Wetten in Bezug auf den Yuan abschrecken, die nur in eine Richtung gehen.

Die Yuan-Aufwertung hätte eher einsetzen und schneller erfolgen sollen, zu einem Zeitpunkt, als Chinas Handelsüberschuss deutlich geringer war und sein Wachstum weniger stark vom Export abhing. Die Verzögerung hat den Wiederausgleich der Leistungsbilanz durch eine Aufwertung des Yuans zu einer kostspieligen Angelegenheit gemacht. Und jetzt steht China vor einem Dilemma.

Das chinesische Exportwachstum ist infolge der globalen Finanzkrise 2009 gegenüber 2008 um 34 Prozent gefallen. Und in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres betrug Chinas Handelsüberschuss 84 Milliarden Dollar, das sind 21,2 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Dieser große, stetige Rückgang des chinesischen Handelsüberschusses lässt die chinesische Regierung zögern, eine deutliche Aufwertung zuzulassen, aus Angst vor der Auswirkung auf die Handelsbilanz.

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  • Die Chinesen sind genauso plem wie die amis: beide glauben, sie könnten alles ganz genau steuern, und beide manipulieren zuungunsten der restlichen welt, um einen Wohlstandsverlust zu verhindern. Diese manipulationen mußten weltweit untersagt werden, Währungsabwertung ist ein taschenspielertrick, den andere bezahlen. Wegen dieser inakzeptablen egoismus-Politik wird es zum abwertungswettlauf kommen- keiner will irgendwelche Verluste akzeptieren. Steigt der Euro weiter, wird die deutsche Jubelexportindustrie das spüren.

  • Um es auf den Punkt zu bringen. Die kommunistische Partei kann sich keine vorübergehende Schwächephase mit Wachstumsraten unter 8% leisten, da sonst die Folgen Unruhen auslösen könnten.

    Gerade aufgrund des unterbewerteten Yuan folgt China Japan's 1980er blasenwirtschaft. Der Export stottert aufgrund weniger Konsum in den wichtigsten Absatzmärkten (USA,EU,Japan) und der private Konsum als Anteil am biP geht zurück. Von 45% im Jahr 2000 auf 31%. Nur mit einer Aufwertung des Yuan könnte auch der binnenmarkt und private Konsum gestärkt werden. Das starke Wachstum kommt von langfristigen Kapitalinvestitionen, der bauwirtschaft. Diese machen schon 60% von biP aus. in Japan waren es auf dem Höhepunkt der blase gerade mal 48%. Obwohl es schon überall im Land leere Appartements und leere büros gibt, wird kräftig weitergebaut. Kurz und einfach gesagt, das kann nicht gut gehen.

    Mehr dazu vom Ökonomen Michael Pettis:
    http://www.foreignpolicy.com/articles/2010/08/19/china_s_japanese_future

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