2010
Erhoffte Fusionswelle droht zu stocken

Investmentbanker bereiten sich darauf vor, dass eine zweijährige Dürreperiode bei Übernahmen und Fusionen in Europa zu Ende geht. Sie hoffen, dass die steigenden Märkte, leichtere Finanzierungen und optimistischere Firmenchefs das M-&-A-Geschäft wieder antreiben. Es spricht jedoch vieles dafür, dass die Konzerne auch im Jahr 2010 vorsichtig bleiben.
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Europäische Investmentbanker hoffen auf ein Ende der zweijährigen Dürreperiode bei Fusionen und Übernahmen. Steigende Märkte, einfacherer Zugang zu Finanzierungen und animalische Instinkte der Firmenchefs werden ihrer Hoffnung nach eine Wiederbelebung des Fusions- und Übernahmegeschäftes antreiben. Es gibt aber genauso viele Gründe für die Annahme, dass die Bosse auch im Jahr 2010 vorsichtig bleiben werden.

In der Vergangenheit hinkte die Fusions- und Übernahmeaktivität den Aktienmärkten meistens um rund sechs Monate hinterher. Der im März begonnene, neunmonatige Bullenmarkt bei Aktien lässt deshalb viele Banker Mut fassen. Außerdem haben sich die im vergangenen Winter nahezu völlig geschlossenen Kapitalmärkte in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 wieder geöffnet, vor allem für größere Unternehmen.

Bei einer kürzlich von der Boston Consulting Group und UBS durchgeführten Umfrage unter europäischen Firmenchefs gaben 19 Prozent an, dass sie im nächsten Jahr ein Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 500 Millionen Euro aufkaufen könnten. 2003, im ersten Jahr des letzten Fusions- und Übernahmeaufschwungs, wurden derartige Transaktionen von zehn Prozent der Befragten tatsächlich ausgeführt, im Jahr 2006 lag die Transaktionsquote bei 19 Prozent.

"Ich könnte" und "ich werde" sind aber zwei paar Schuhe. Von den übernahmewilligen befragten Firmenchefs erklärten nur ein Viertel Akquisitionen als "sehr wahrscheinlich" oder "definitiv".

Ein großer Stolperstein sind die Preise. Viele potenzielle Käufer sagen, dass die Bewertungen zu hoch sind, selbst ohne die bei Übernahmen üblichen happigen Preisaufschläge. Auf der anderen Seite scheinen potenzielle Verkäufer noch nicht dazu bereit, Vermögenswerte abzugeben. Sie glauben offenbar, dass sich die Preise noch weiter erholen könnten.

Dazu kommt, dass die Kapitalmärkte zwar wieder offen sind, Banken sich bei der Kreditvergabe aber weiterhin zurückhalten, vor allem bei größeren Summen. Weil auch durch Anleihen oder Aktien finanzierte Transaktionen nicht ohne Überbrückungskredite über die Bühne gehen können, könnte die Finanzierungsproblematik ein echtes Hindernis werden.

All dies bedeutet nicht, dass es in Europa keine Fusionen oder Übernahmen geben wird. Die durchgeführten Transaktionen könnten aber eher klein und leicht verdaulich ausfallen. Banker werden zudem mehr Arbeit investieren müssen, um ihre Gebühren zu verdienen.

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