AAA-Bonds
Dreifaches Problem

Die Rating-Agentur S&P könnte die Bonitätsbewertung von Covered Bonds zurückstufen. Damit ist eine weitere als erstklassig eingestufte Kategorie an Schuldtiteln unter Beschuss geraten. Außerhalb der Welt der staatlichen und quasi staatlichen Papiere werden bald keine Titel mehr übrig sein, die die Bestnote „AAA“ tragen. Das bedeutet weniger Diversifizierung und niedrigere Renditen für die Sicherheitsfanatiker unter den Investoren.
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Den Investoren von Schuldtiteln, die mit der Bonitätsbestnote "AAA" bewertet werden, gehen bald die Optionen aus. Die Rating-Agentur Standard & Poor?s (S&P) könnte Covered Bonds herabstufen - eine Art von hypothekenbesicherten Wertpapieren, die im Großen und Ganzen dem Pfandbrief entsprechen und vor allem in Europa beliebt sind. Damit ist eine weitere als erstklassig eingestufte Kategorie an Schuldtiteln unter Beschuss geraten. Außerhalb der Welt staatlicher und quasi staatlicher Papiere werden bald kaum noch Schuldtitel übrig sein, die die Bestnote "AAA" tragen. Damit geraten sicherheitsorientierte Anleger in die Klemme.

Das Top-Rating vergibt S&P jetzt nur noch an vier US-Industrieunternehmen: Automatic Data Processing, Exxon Mobil, Johnson & Johnson und Microsoft. In den vergangenen fünf Jahren haben sie zusammen weniger als zehn Mrd. Dollar verkauft, geht aus Daten von Thomson Reuters hervor.

Strukturierte Produkte wie forderungsbesicherte Wertpapiere hatten den Investoren früher eine weitere Option beschert. Doch die Kreditklemme hat ihren Tribut gefordert. Der Markt für forderungsbesicherte Bonds mit der Einstufung "AAA" beläuft sich nach Angaben von Barclays auf nur noch 69 Mrd. Dollar, das entspricht fast der Hälfte seines Umfangs aus dem Jahr 2006. Und nachdem die Anleiheversicherer in Ungnade gefallen sind, bietet auch der Markt für US-Kommunalobligationen weniger hoch bewertete Optionen als früher.

Die Möglichkeit, dass S&P Covered Bonds über 1,46 Bill. Euro herabstufen wird, folgt auf eine gewaltige Attacke der Rating-Agenturen gegen strukturierte Finanzprodukte, die durch riskante Eigenheimkredite abgestützt werden und die einst ebenfalls eine fruchtbare Quelle der "AAA"-Angebote gebildet hatten.

Regierungen, wie etwa die der USA, füllen problemlos die entstandene Lücke. Barclays Capital veranschlagt den US-Treasury-Markt auf neun Bill. Dollar, was einem Anstieg um drei Bill. Dollar gegenüber dem Jahr 2006 entspricht. Britische Gilts erreichen ein Volumen von 1,1 Bill. Dollar gegenüber zuvor 610 Mrd. Dollar. Und dann wären da noch die hypothekenbesicherten US-Papiere, die von den staatlich geführten Instituten Fannie Mae und Freddie Mac garantiert werden, die sich insgesamt auf fast fünf Bill. Dollar belaufen gegenüber einem Niveau von drei Bill. Dollar vor drei Jahren.

Doch für die Investoren sind die Schuldtitel mit staatlichem Bezug leider nicht besonders verlockend, besonders deshalb nicht, da die Besorgnis über die finanzielle Verfassung der entwickelten Länder zunimmt. Selbst die zehnjährigen Treasuries, zum Beispiel, werfen jährlich nur 3,7 Prozent ab und Papiere mit einer kürzeren Laufzeit sogar noch weit weniger.

Viele investierende Institute würden es vorziehen, die Ratings zu ignorieren und ihre eigene Analyse zu erstellen, um zu entscheiden, was sicher ist und was nicht. Vorerst werden Bonitätsbewertungen allerdings dazu herangezogen, um festzustellen, wie viel aufsichtsrechtlich vorgeschriebenes Kapital sie beiseite legen müssen. Deshalb müssen die Ratings unter anderem von Versicherungen und Pensionsfonds berücksichtigt werden.

Auch Geldmarktfonds befinden sich in einer misslichen Lage. Sie müssen über Wertpapiere mit einer "AAA"-Note verfügen, um die Investoren zu beruhigen, aber gleichzeitig müssen ihre Renditen hoch genug sein, um ihre Kosten abzudecken und ein wenig an Zinsen zu erbringen. So wie es derzeit aussieht, sind die Investoren, die auf Sicherheit fixiert sind, jedoch mit einer geringeren Diversifizierung und niedrigeren Renditen konfrontiert, als sie dies gewöhnt sind.

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