Abbott/Solvay
Ein vernünftiger Deal

Gegenüber einigen ehrgeizigen Abschlüssen der jüngsten Zeit sieht die Akquisition der Pharmasparte der belgischen Solvay durch Abbott auf langweilige Art vernünftig aus. Zum Zweifachen des Umsatzes passt auch der Preis. Und ein Deal ist zudem besser, als das Geld bei ausländischen Banken herumliegen zu lassen.
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Das war schon wieder ein Montag der Fusionen. Abbott Laboratories hat die Reihe mit dem Kauf des Pharmabereichs von Solvay für 4,5 Mrd. Euro fortgesetzt. Gegenüber einigen ehrgeizigen Abschlüssen der jüngsten Zeit sieht die Akquisition durch den US-Pharmakonzern auf langweilige Art vernünftig aus. Zum Zweifachen des Umsatzes passt auch der Preis. Und ein Deal ist zudem besser, als das Geld bei ausländischen Banken herumliegen zu lassen.

Die Faustregel im Pharma-Sektor besagt, dass Geschäfte zum Vierfachen des Umsatzes weggehen. So gesehen hat Abbott ein Schnäppchen gemacht. Allerdings gibt es auch handfeste Gründe für einen Abschlag. Das wichtigste Medikament von Solvay, ein Mittel gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel, das Abbott in den USA bereits vermarktet, besitzt in Amerika nur begrenzten Patentschutz. Rund zehn Prozent der Einnahmen und eine größere Portion der Gewinne könnten sich so innerhalb von drei Jahren gut und gerne in Luft auflösen. Diese Gewinne dürften auch kaum mehr ersetzt werden. Und die Pipeline von Solvay für neue Medikamente dient nicht gerade der Inspiration.

Darüber hinaus war die Pharma-Sparte bei Solvay verwaist. Das belgische Unternehmen hatte sich dem Trend unter den Chemiefirmen verweigert, ihre Arzneimittelbereiche abzustoßen. Die beiden Geschäftsarten weisen hinsichtlich des Kapitals, der Investitionen und der Führungsqualitäten unterschiedliche Erfordernisse auf. Solvay musste also für die Sparte ein neues Zuhause finden. Jetzt da sich die Belgier einen annehmbaren Preis gesichert haben, können sie sich ganz auf den Chemiebereich konzentrieren.

Abbott dagegen sollte fast 500 Mill. Euro an Betriebsgewinnen bei der Solvay-Sparte einsammeln, auch wenn das Cholesterinmedikament in den USA nichts einbringt. Das entspricht einer Anlagenrendite von fast zehn Prozent. Und es könnten sich für Abbott Gelegenheiten bieten, den Absatz zum Beispiel in den Ländern auszubauen, in denen die Pharmasparte von Solvay stärker vertreten ist. Alles in allem sehen die potenziellen Erträge solide, wenn auch nicht übermäßig aufregend, aus.

Doch es gibt auch noch einen Bonus. Wie bei vielen anderen amerikanischen Technologie- und Arzneimittelfirmen sitzt auch bei Abbott viel Cash im Ausland fest. Das Geld nach Hause zurückzubringen, würde eine hohe Steuerrechnung verursachen. Und es auf der Bank zu lassen, bringt nur äußerst geringe Renditen ein. Es auf vernünftige Weise auszugeben, löst beide Probleme. Vor diesem Hintergrund sieht der Kauf der Solvay-Sparte doch recht verlockend aus.

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