ABN-Amro-Bonuszahlungen
Das Glas ist halb voll

Einige Investmentbanker bei ABN Amro sind sauer, weil ihnen ihre Erfolgsprämien nach der RBS-Übernahme nicht sofort zur Verfügung stehen. Dabei sollten sie eigentlich dankbar dafür sein, dass sie noch vor der Kreditkrise eine Bonusgarantie erhalten haben. Zudem ist der Wert der ABN-Aktien in ihren Bonustöpfen steil gestiegen. Das ist ziemlich einzigartig in der Londoner City.

Dankbarkeit scheint eine aussterbende Tugend bei ABN Amro zu sein. Einige der Investmentbanker der niederländischen Bank sind verärgert, weil ihnen nach Übernahme durch die Royal Bank of Scotland (RBS) ihre Bonustöpfe nicht sofort ganz zur Verfügung stehen, wie das bei einigen anderen Abschlüssen der Fall war. RBS hält sich an die bestehende Regelung von ABN, die eine volle Auszahlung erst nach einer Verzögerung von zwei Jahren vorsieht. Aber eigentlich können die ABN-Banker wirklich noch von Glück sagen, dass sie für solche enormen Zahlungen überhaupt in Frage kommen.

Eigentlich haben sie zwei unverhoffte Geschenke bekommen. Das erste ist die Garantie, die ABN im Frühjahr gegeben hatte, dass die Bonuszahlungen in diesem Jahr nicht unten denen des Vorjahres liegen werden. Diese Zusage, die die Bank gemacht hatte, um die Mitarbeiter davon abzuhalten, während der Übernahmeschlacht abzuspringen, sieht jetzt natürlich äußerst generös aus, denn andere Banken sind angesichts der Kreditkrise gezwungen, Bonuskürzungen vorzunehmen. Tatsächlich werden die Händler von Festverzinslichen bei ABN Amro wahrscheinlich zu den wenigen aus diesem Bereich gehören, die überhaupt einen nennenswerten Bonus erhalten.

Das zweite Geschenk ist, dass sich die Aktien der Bank, seitdem sie zur Übernahmekandidatin geworden war, steil nach oben bewegt haben. Das ist ein großes Plus für die Mitarbeiter, die sich bei den Bonusauszahlungen im Februar des letzten Jahres für Aktien entschieden hatten. Die Aktien, die in ihren Bonustöpfen verblieben sind, sind um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Titel anderer europäischer Branchenkollegen sind dagegen um fast zehn Prozent gefallen.

Die Investmentbanker von ABN müssen sich vielleicht noch in einer anderen Tugend üben: in Geduld. RBS hat ein Vermögen ausgegeben, um sich das Geschäft zu sichern. Es ist nur allzu verständlich, dass die Bank vorerst nicht mehr auszahlen will. Sie würde damit einen wirkungsvollen Anreiz aus der Hand geben, dass die ABN-Banker an Bord bleiben.

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