ABS-Ratings
Ungeliebtes Stiefkind

Die Vorschläge zur Reform der Kredit-Ratings treiben seltsame Blüten. Den Bonitätsbewertungen einen Zusatz anzuhängen, der die Bonds als strukturierte Wertpapiere kennzeichnet, wird allerdings keine Verbesserung bringen, sondern könnte vielmehr den Markt untergraben. Eine getrennte Reihe an Ratings für forderungsbesicherte Titel zu schaffen, wäre besser. Aber optimal wäre es, den Rating-Prozess transparenter zu gestalten.

Zur Reform der Rating-Agenturen hat anscheinend wirklich jeder etwas beizutragen - Faszinierendes und Bizarres. Die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat nun einen eher sinnlosen Vorschlag unterbreitet. Die SEC-Mitglieder denken darüber nach, die Rating-Agenturen zu einer gesonderten Kennzeichnung zu zwingen, dass eine Bonitätsbewertung sich auf forderungsbesicherte Wertpapiere bezieht, indem sie der regulären Etikettierung den Zusatz "sf" oder nur "s" als Abkürzung für strukturierte Finanzprodukte beigeben.

Damit wird nichts besser gemacht. Die meisten Investoren - wenn nicht alle - waren sich immer vollkommen im Klaren darüber, ob sie sich jetzt gute alte Unternehmensanleihen oder aber forderungsbesicherte Titel zulegten. Wenn nicht, sollten sie vielleicht auch keine Süßigkeiten kaufen dürfen, von Wertpapieren einmal ganz abgesehen.

Eine zusätzliche Kennzeichnung anzuhängen, könnte das Rating jedoch komplett untergraben, würde doch der Eindruck erweckt, die Einstufung "AAA" für einen strukturierten Deal sei in Wirklichkeit nur ein "AAA light" - oder vielleicht doch eher ein "BB". Oder noch schlechter. Wenn dem so ist, warum sollte man das dann nicht direkt sagen? Oder nicht zumindest als Alternative anbieten, ein vollkommen getrenntes Rating-System für forderungsbesicherte Bonds zu schaffen?

Auch dies hätte allerdings Nachteile: Es ist unwahrscheinlich, dass etwas Geringeres als das komplexeste - und daher potenziell nutzlose - System das breite Spektrum an Ausfallwahrscheinlichkeiten, Schwankungs- und Illiquiditätsrisiken abdecken kann, was viele jetzt in Folge der aktuellen Kreditkrise von den Bonitätsbewertungen verlangen. Aber es wäre immer noch besser, als ein ungeliebtes Stiefkind in die Welt zu setzen. Vielleicht würde dies auch all jenen Anlegern zu denken geben, die sich bei ihren Anschaffungen allein von Ratings leiten lassen - auch wenn man sich wünschen würde, dass die vielen hundert Milliarden Dollar an Verlusten, die teilweise auf das Verfolgen dieser Methode zurückzuführen sind, sich als überzeugenderer Beweggrund erwiesen haben, den eigenen Investmentansatz zu ändern.

Am Besten wäre es, von den Rating-Agenturen zu verlangen, viel offener darzulegen, welche Kriterien in ihre Einstufungen einfließen - etwa die Qualität der Daten, die Einschätzungen über die Preise auf dem Wohnungsmarkt und sogar Analysen darüber, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Das wird schwer, wenn nicht gar unmöglich, in einem Rating abzudecken sein. Es liegt also an den Investoren, und an den Agenturen, ihre Hausaufgaben gründlicher zu machen. Das kann nichts schaden.

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