Absatzkrise in den USA
Der Untergang des Autolandes

Die Chefs der Großen Drei aus Detroit versuchten bei ihrer Anhörung im Senat, die US-Gesetzgeber auf ihre Seite zu ziehen, indem sie ein Bild der Finsternis an die Wand malten. Einzelheiten darüber, wie das Geld der Steuerzahler eine solche Katastrophe verhindern könnte, blieben sie allerdings schuldig. Überzeugender argumentierte der Makroökonom Peter Morici. Er legte dar, dass eine insolvenzähnliche Umstrukturierung womöglich die bessere Lösung ist.

Entweder sind die US-Gesetzgeber der vielen Rettungen überdrüssig oder sie haben ihre Hausaufgaben gemacht. Wenige Mitglieder des Bankenausschusses des US-Senats schienen sich am Dienstagabend von den Argumenten der Chefs von Chrysler, Ford und General Motors umstimmen zu lassen, die ein Bild der wirtschaftlichen Finsternis an die Wand malten, wenn die Hilfe der amerikanischen Steuerzahler ausbliebe. Ein einsamer Makro-Ökonom von der University of Maryland war da schon deutlich überzeugender. Er legte dar, dass eine insolvenzähnliche Umstrukturierung die besseren Aussichten auf Erfolg zu haben scheint.

Die drei Bosse - Bob Nardelli von Chrysler, Alan Mulally von Ford, Rick Wagoner von GM sowie der Präsident der Automobilgewerkschaft Ron Gettelfinger - waren auf dem Capitol Hill erschienen, um für Bundesnotfallkredite über 25 Mrd. Dollar zu plädieren.

Ohne diese Hilfen, so brachten sie vor, würde mindestens einer der Drei zusammenbrechen. Sicher wäre es schmerzhaft, wenn solch große, miteinander verbundene Industriekonzerne Pleite gingen. Aber viel Munition hatte keiner der drei Chefs in der Tasche - abgesehen von ein paar Research-Berichten, von denen einer auch noch vom Center for Automotive Research stammte, einer von der Autobranche finanzierten Forschungseinrichtung.

Wagoner schien sich zur Absicherung seiner Ansicht, dass ein Insolvenzantrag keine Option ist, auf eine Analyse von CNW Market Research zu verlassen. Er gab überdies zu, sich bei den Abläufen des US-Insolvenzverfahrens nur sehr begrenzt auszukennen - das ist eine erstaunliche Beteuerung für einen Unternehmenschef, dessen Firma schon seit Jahren am Abgrund steht.

Mulally wiederum weigerte sich, Stellung dazu zu nehmen, wie viel Liquidität seiner Meinung nach Ford im kommenden Jahr verbrennen werde, selbst während er gleichzeitig um die Mittel der Steuerzahler buhlte. In der Tonlage unterschieden sich seine Äußerungen vollkommen von der Ansicht, die er gerade einmal vor zehn Tagen zum Besten gegeben hatte. Damals hatte er gesagt, er sei "überzeugter denn je, dass Ford den richtigen Plan hat, um uns durchzubringen."

Dagegen argumentierte Professor Peter Morici von der University of Maryland, dass die Autobauer seines Erachtens weiter Geld verlieren werden, wenn sie es nicht fertig bringen, sich den Kosten der Konkurrenten anzupassen und ihre Kapazitäten auf ein realistisches Niveau zu reduzieren. Wenn man ihnen Regierungskredite gewährte, kämen sie bald zurück, um noch mehr zu verlangen. In anderen Worten: Die Großen Drei müssen weitere Umstrukturierungen durchlaufen - und genau dafür wurde Kapitel Elf der US-Konkurs- und Vergleichsordnung entworfen.

Der einsame Akademiker, der sich neben dem hünenhaften Wagoner recht verloren ausnahm, schien mit seinen Argumenten bei den meisten Senatoren auf größere Resonanz zu stoßen. Das bietet wenigstens die Hoffnung, dass die Gesetzgeber kritisch genug sein werden, um sicher zu stellen, dass jegliche Unterstützung, die sie den Großen Drei letztendlich gewähren, an ernsthafte Sanierungsmaßnahmen gebunden ist.

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