Abschlüsse
Die Deals sind wieder da

Auf 37 Mrd. Dollar beläuft sich an diesem Montag der Gesamtwert der Deals, die vorgeschlagen wurden, über die nachgedacht oder gemunkelt wird. Fast ein Jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers scheinen Märkte und Wirtschaft stabil genug zu sein, um wieder über Wachstum nachzudenken. Und mit der feindlichen Offerte von Kraft für Cadbury kehrt ansatzweise auch der alte Überschwang zurück.
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Wenn dieser Montag als Gradmesser fungieren kann, dann steht uns ein transaktionsreicher Herbst bevor. Der Gesamtwert an Geschäftsabschlüssen, die es am Montag in die Schlagzeilen geschafft haben und die entweder vorgeschlagen wurden oder über die nachgedacht und gemunkelt wird, beläuft sich auf 37 Mrd. Dollar. Und der größte dieser Deals - die unerwünschte Offerte des US-Nahrungsmittelherstellers Kraft für den britischen Süßwarenmarktführer Cadbury - trägt sogar Anzeichen des alten Überschwangs in sich. Nur eine Woche vor dem ersten Jahrestag der Pleite von Lehman Brothers ist klar, dass die Unternehmenschefs und die Banker wieder einmal über Wachstumschancen nachdenken.

Die tatsächliche Ernte mag vielleicht nicht ganz so eindrucksvoll ausfallen wie der schlagzeilenträchtige Gesamtbetrag. Cadbury hat die Annäherungsversuche von Kraft über 16,7 Mrd. Dollar zurückgewiesen. Die Deutsche Telekom könnte sich dazu entschließen, den geplanten Verkauf ihrer britischen Mobilfunktochter für 5,7 Mrd. Dollar doch nicht durchzuziehen. Und die in Großbritannien notierte Bergwerksgesellschaft Xstrata könnte letztendlich auch das auf 4,9 Mrd. Dollar veranschlagte Gebot für den Konkurrenten Lonmin nicht umsetzen.

Und dann wären da noch die Vermögenswerte, die zum Verkauf stehen: eine Mehrheitsbeteiligung am südkoreanischen Halbleiterhersteller Hynix, die Geschäftsbereiche der geretteten US-Versicherung American International Group in Taiwan und die Private Banking-Sparte der ebenfalls geretteten niederländischen Bank ING. Sie könnten weniger einbringen, als die Summen, von denen gerüchteweise ausgegangen wird - nämlich jeweils 2,75 Mrd. Dollar, 2,4 Mrd. Dollar und 1,6 Mrd. Dollar.

Tatsächlich sind nur zwei der acht Transaktionen in den Nachrichten wirklich wasserdicht: Der Kauf der Chartered Semiconductor aus Singapur durch die Advanced Technology Investment Co aus Abu Dhabi für 1,8 Mrd. Dollar und der Aktienswap über eine Mrd. Dollar zwischen den Telekomgesellschaften Telefonica aus Spanien und der chinesischen Unicom. Doch noch bis vor einem Monat oder zwei hatten die Unsicherheiten auf den Märkten und in der Wirtschaft selbst ein Nachdenken über Transaktionen, die nicht aus der Not heraus geboren waren, unmöglich gemacht. Es braucht Zeit, bis ein Deal von der reinen Idee bis zur wirklichen Umsetzung gereift ist.

Die Tagesgeldsätze von beinahe Null und die scheinbare Wiederkehr des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts könnten ausreichen, um die Akteure in Wallung zu versetzen. Doch immer noch herrscht da draußen mehr Vorsicht als Wagemut. Kraft bietet zum Beispiel mehr Aktien als Cash, um seine Bonitätsbewertung zu schützen. Und einige Analysten sind der Ansicht, Xstrata wäre nicht willens, genug Mittel aufzunehmen, um eine ausschließliche Bar-Offerte für die 75 Prozent von Lonmin vorzulegen, die sich noch nicht in ihrem Besitz befinden.

Doch was bei diesen Transaktionen besonders ins Auge sticht, ist das, was fehlt: Zunächst einmal der wirtschaftliche Unsinn. Bei jedem der genannten Fälle liegen gute Gründe vor - Synergien, plausible Wachstumspläne oder aufsichtsrechtliche Vorgaben -, um die Deals voranzutreiben. Und zum zweiten fehlen die Finanzinvestoren. Auf keiner Liste finden sich Beteiligungsgesellschaften. Damit zeichnet sich ab, dass sich der Markt für Deals vorerst immer noch im Erholungsmodus befindet.

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