Abschwung deutet schwierige Zeiten an
Unruhe und Bewegung in China

Der Rückgang bei Exporten und Inflation sollte gesund sein für eine Volkswirtschaft, die zu viel zu billig für das Ausland herstellt. Doch China hat ein kurzfristiges Problem: zu niedriges Wachstum könnte soziale Unruhen auslösen. Es wird immer schwerer, sich vorzustellen, wie Politiker die Quadratur des Kreises schaffen können.

Chinesisches Wachstum: Für ein derart großes Land bewegt sich China überraschend schnell. Das gilt auch für die großen Zahlen, die lokale Ökonomen beschäftigen. Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zeigen, dass die Inflation im Jahresvergleich von zu hohen zehn Prozent im August auf einen niedriger als erwartet ausgefallenen Wert von zwei Prozent im November gefallen ist. Auch die Exporte gingen stark zurück, ebenso die Importe, und die wirklichen Zahlen könnten noch schlechter sein als die offiziellen. Die chinesischen Politiker stehen vor schwierigen Zeiten.

In gewissem Sinn sollte der Exportrückgang gesund sein. Die chinesischen Exporteure haben ausländische Konsumenten zu lange zu billig mit zu vielen Waren versorgt. Weil die USA und die EU, die 40 Prozent des chinesischen Ausstoßes kaufen, den Gürtel enger schnallen, schrumpften die Preise der für den Export vorgesehenen Güter. Mit der Zeit sollte die Produktion umgestellt werden auf höherwertige Produkte für chinesische Konsumenten, mit höherem Gewinn.

Auf lange Sicht ist das in Ordnung. Doch China hat ein ernstes kurzfristiges Problem. Die heimische Nachfrage ist noch immer zu schwach, um den Export zu ersetzen. Außerdem herrscht verbreitet die Auffassung, dass ein anhaltend unter einem bestimmten Niveau bleibendes Wachstum, genannt werden oft acht Prozent, zu sozialen Unruhen führen wird.

Dieser Zusammenhang ist noch nicht bewiesen, trotz einiger kleinerer Proteste im Süden das Landes und in Schanghai. Die Arbeitslosigkeit ist aber schon jetzt ein Problem. Die wichtigste Denkfabrik der kommunistischen Partei deutet eine reale Quote von zwölf Prozent an, das ist dreimal mehr als die offizielle Zahl. Um sich greifende Pleiten in Schlüsselbranchen wie der Spielwaren-, Schuh- und Elektronikproduktion verschärfen das Problem, weil frustrierte Arbeiter zurück in ihre Provinzregionen geschickt werden.

Es gibt einige Hebel, die der Staat ansetzen kann. Einer besteht in der Aufrechterhaltung der niedrigen Bewertung des Renminbi gegenüber dem Dollar, sodass die Exporte wettbewerbsfähiger werden. Allerdings ist China bereits so wettbewerbsfähig, dass der Effekt wohl nur marginal wäre. Eine andere Maßnahme wäre die Senkung der Zinsen, die seit September bereits viermal verringert wurden, um die Nachfrage anzukurbeln. Chinesische Kreditnehmer scheinen bislang aber nicht besonders empfänglich für die Zinsschritte zu sein.

Es bleiben finanzpolitische Anreize. Die Regierung hat bereits ein Paket im Volumen von vier Billionen Renminbi angekündigt, um Investitionen und Nachfrage zu fördern. Es ist aber noch zu früh, um abzuschätzen, ob und wie dies funktioniert. Wenn es misslingt, muss der Staat einen Weg zur Quadratur des Teufelskreises finden. Für den schlimmsten Fall sollte er darüber nachdenken, wie er reagiert, wenn sich die Theorie vom Unruhen verursachenden schwachen Wachstum als wahr herausstellen sollte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%