Abschwung in Europa
Es droht die Stagflation

Bis jetzt ist er der einzige Hund, der bellt. Zum wiederholten Mal hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy den Frieden der EZB gestört, indem er kläffte, es gäbe „keinen Inflationsdruck mehr“ und der steigende Euro sei schlecht für das Wachstum in Europa. Es sieht so aus, als ob der bellende Sarko gleichzeitig richtig und falsch lag.

Bis jetzt ist er der einzige Hund, der bellt. Zum wiederholten Mal hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy den Frieden der EZB gestört, indem er kläffte, es gäbe "keinen Inflationsdruck mehr" und der steigende Euro sei schlecht für das Wachstum in Europa. Es sieht so aus, als ob der bellende Sarko gleichzeitig richtig und falsch lag.

Die Teuerung ist gestiegen, wodurch die Wachsamkeit der EZB rechtfertigt worden ist. Aber das Wirtschaftswachstum scheint nachzulassen. Diese Kombination von Inflation und Stagnation, kurz Stagflation, wird die EZB viel stärker beunruhigen als das Gebell von Sarko.

Ein Abschwung in Europa ist eine Bedrohung, die die Märkte bisher weitgehend ignoriert haben, während sie sich auf die Risiken einer US-Rezession konzentriert haben. Doch das Wachstum in der Eurozone hatte im zweiten Quartal magere 0,3 Prozent betragen. Seitdem haben die Kreditkrise und der Vorwärtsmarsch des Euro gegenüber dem Dollar das Vertrauen und die Exportaussichten beträchtlich untergraben.

Eine Flut von Indikatoren zeigt nach unten. Der NTC-Index für den Dienstleistungssektor in der Eurozone verzeichnete im September den größten Abschlag innerhalb eines Monats und der Index für das verarbeitende Gewerbe fiel auf den niedrigsten Stand seit 2005. Nach Umfragen von Bloomberg sind die Einzelhandelsumsätze in Deutschland im August nach unten getrudelt und seitdem auch im Rest der Eurozone.

Doch inmitten all dieser Zeichen für eine Abschwächung ist die Inflation im September auf 2,1 Prozent geklettert nach einem Plus von 1,7 Prozent im August. Die September-Daten liegen damit über der von der EZB akzeptierten Obergrenze von zwei Prozent. Beunruhigenderweise war es Deutschland und damit die größte Volkswirtschaft der Eurozone, die den Anstieg angeführt hat. Die Teuerung in Deutschland ist mit 2,7 Prozent auf den höchsten Stand seit sechs Jahren gesprungen.

Es sollte indes kaum überraschen, dass sich das Wachstum abschwächt. Der Euro hat innerhalb von fünf Jahren jetzt um 50 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt. Das trifft die Exporte hart, während die Binnennachfrage in Deutschland ja schon lange ein Sorgenkind ist. Aber eine verhaltene Nachfrage und der starke Euro hätten unterstützend auf die Inflationsentwicklung wirken sollen. Die Preise für Rohöl und andere Rohstoffe sind zwar in der Abrechnung in Dollar nach oben geschossen, in Euro gerechnet aber weit weniger stark gestiegen.

Sollte der Euro an Wert verlieren, könnte die europäische Teuerung weiter nach oben getrieben werden, selbst bei schwachem Wachstum. Die EZB, die an diesem Donnerstag tagt, wäre deshalb falsch beraten, bald der Zinssenkung der US-Notenbank Fed nachzueifern. Die Wachstumsaussichten für Europa sehen plötzlich viel schlechter aus. Für eine Stagflation gibt es keine einfache Therapie.

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