AIG/CV Starr
Was gut für Greenberg ist

Die massiven Leistungsanreize von AIG haben die Mitarbeiter sicher motiviert. Sie haben aber auch Interessenskonflikte hervorgebracht. Die Geschicke der Versicherung mit denen der Führungskräfte zu verknüpfen, mag Wohlstand geschaffen haben. Gleichzeitig hat das System zu einem erbitterten Zerwürfnis geführt.

Das Anreizsystem für Führungskräfte von AIG hat wunderbar funktioniert. Indem die Versicherung zwei gigantische Töpfe des Wohlstands bereitgestellt hat, aus denen die Topmanager nach ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen schöpfen können, hat sie für die sklavische Ergebenheit ihrer hochrangigen Mitarbeiter gesorgt. Aber die beiden Vehikel - Starr International, ein reiner Bonus-Pool, und C.V. Starr, eine Versicherungsagentur, die als Private Partnership von AIG-Managern geleitet wurde - haben auch massive Probleme hervorgerufen.

Die Geschicke eines Unternehmens mit denen seiner Führungskräfte zu verknüpfen, mag Wohlstand geschaffen haben, aber das System hat auch zu einem erbitterten Zerwürfnis geführt. Jetzt hat AIG ein Gerichtsverfahren über 20 Mrd. Dollar gegen den ehemaligen Chef der Versicherung, Hank Greenberg, und seine Verbündeten angestrengt, das so schnell wohl nicht beigelegt werden wird.

Idealerweise beinhaltet ein solches Programm zur Steigerung der Leistungsbereitschaft mindestens vier Ziele und sorgt unter ihnen für ein Gleichgewicht. Es belohnt die Leistung, ermutigt langfristiges Denken, erlaubt es den Managern nicht, Gebühren nur aufgrund ihrer Stellung zu scheffeln und reduziert Interessenskonflikte bei Management-Fragen auf ein Minimum.

AIG hatte die beklagte Starr International, die bereits in mehrere Prozesse verwickelt war, vor mehr als 30 Jahren gekauft. AIG hatte Aktien in Starr gesteckt, die dann zum Wohl einiger weniger AIG-Insider geführt worden ist. Das Starr-Programm hat hinsichtlich der ersten beiden Ziele erstklassig funktioniert, indem es qualifizierten Mitarbeitern nach deren Ausscheiden ein Überraschungsei der Fabergé-Klasse in Aussicht gestellt hat.

Unter Greenbergs Ägide hatte sich Marktkapitalisierung von AIG um mehr als das 175fache gesteigert. Aber die Starr-Programme trugen den Keim ihrer eigenen Zerstörung in sich. Auf ihrem Höhepunkt kontrollierten die beiden Partnerschaften AIG-Aktien im Wert von über 35 Mrd. Dollar. Es wurde immer schwieriger, den absoluten Umfang des Bonus-Systems zu rechtfertigen.

Das System erwies sich zudem als Nährboden für Interessenskonflikte. C.V. Starr schloss ausgedehnte Geschäfte mit AIG ab. Das erwies sich als schwierig. Da saßen nicht nur AIG-Topmanager auf beiden Seiten des Tisches, sie hatten auch noch jede Menge eigener Murmeln im Topf von Starr. Darüber hinaus fungierten die gigantischen Starr-Anteile gleichsam wie Maßnahmen zur Abwehr einer Firmenübernahme. Wenn die Manager von Starr große Gewinne mit den AIG-Aktien einfuhren, dann würden sie wohl kaum einem Verkauf des Versicherers zustimmen.

Außerdem wurde es im Verlauf seiner Amtszeit immer schwieriger, Greenberg von AIG zu unterscheiden. Um fair zu sein, leitete er die Firma fast 40 Jahre lang und der Erfolg des Unternehmens ging weitgehend auf sein Konto. Aber die gegenwärtigen juristischen Streitigkeiten um Starr zeigen, wie eng miteinander verknüpft die beiden waren. Das Unternehmen behauptet, Star International sei nichts anderes als ein langfristiges Investment-Vehikel, das im Auftrag von AIG geführt werde. Daher sollte AIG in der Lage sein, die Mehrheit der Board-Mitglieder von Starr zu ernennen. Das Greenberg-Lager bestreitet dies. Es habe in der Vergangenheit vielleicht gleiche Interessen gegeben. Dies bedeute aber nicht, dass Starr der Vasall von AIG gewesen sei.

Die Ironie an der Sache ist unverkennbar. Da haben Experten in Sachen Vergütung Jahrzehnte mit dem Versuch zugebracht, einen Weg zu finden, wie sich die Interessen der Unternehmensmanager mit denen der Aktionäre vereinbaren lassen. Das Starr-System hat so gut funktioniert, dass es schwierig geworden ist, beide überhaupt zu unterscheiden.

Während eine außergerichtliche Einigung im Sinne beider Parteien wäre, wird sie wohl nicht erreicht werden. Greenberg hat AIG wiederholt sein Kind genannt und er scheint es ernst damit zu meinen. Er hat das Gefühl, sein Baby sei ihm zu Unrecht weggenommen und obendrein durch ein unfähiges Management sträflich vernachlässigt worden. Ein Kampf um das Sorgerecht scheint Außenstehenden oft irrational geführt zu werden und sich unangemessen lang hinzuziehen. Greenberg mag zwar 82 sein, aber er weist gerne darauf hin, dass seine Mutter weit über hundert geworden ist. Wenn Greenberg von einem „auf zwanzig Jahre angelegten Plan“ spricht, dann könnte er nicht Phrasen dreschen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%