AIG
Das Versuchskaninchen ist tot

Der Verlust von AIG über 4,9 Mrd. Dollar bedroht nicht die Existenz der Versicherung. Aber dass die Gesellschaft wegen ihrer Bewertungen vom eigenen Wirtschaftsprüfer gerügt wird, schädigt ihren Ruf. Schlimmer noch: AIG scheint durch eine Kategorie von CDOs in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, von denen man bisher angenommen hatte, sie seien von den Subprime-Schwierigkeiten weniger betroffen. Das könnte bedeuten, dass sich die Krankheit ausbreitet.

Wenn ein Unternehmen sich mit seinem Wirtschaftsprüfer überwirft, sind die Aktionäre zu Recht irritiert. Die Wirtschaftsprüfer von American International Group (AIG) hatten festgestellt, dass die Art und Weise, wie AIG ihr Kreditderivate-Portfolio über mehr als 500 Mrd. Dollar bewertet hat, nicht ohne Fehl und Tadel war. Darauf haben die Investoren den Aktienkurs der Versicherung um über elf Prozent gedrückt. AIG erwartet jetzt, dass die Verluste aus Engagements in Collateralised Debt Obligations (CDOs) im Zusammenhang mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität für Oktober und November nach der Neubewertung über vier mal höher sind als bei der Prognose vor gerade einmal zwei Monaten.

Die Unfähigkeit des Unternehmens, diese Instrumente zu bewerten, wirft zwar die Frage auf, ob AIG in diesem Geschäft überhaupt etwas zu suchen hat. Der Verlust stellt aber keine Bedrohung für den Versicherungsgiganten dar. Wenn nicht noch mehr Kreditleichen im Keller von AIG auftauchen, könnte sich herausstellen, dass diese Nachrichten für CDO-Investoren und -zeichner schlimmer sind als für die AIG-Aktionäre selbst.

Denn es sieht ganz so aus, als sei der Verlust von AIG von CDOs verursacht worden, die bisher nicht aus der Reihe getanzt waren. Die Banken und Investoren, die Einbußen erlitten haben, sind zum größten Teil durch CDOs in die Tiefe gerissen worden, die mit Subprime-Hypothekendarlehen beladen waren, die aus dem Jahr 2006 stammten. Damals waren die Vergabestandards wirklich am Boden, was zu einer hohen Ausfallquote geführt hat.

Aber AIG hatte im Dezember 2005 damit aufgehört, Kreditderivate auf CDOs mit Subprime-Bezug zu zeichnen. Wenn der Verlust über rund acht Prozent, den die Versicherung nun für ihr Subprime-Kreditportfolio vorhersagt, das Versuchskaninchen für CDOs ist, die aus den Jahren vor 2006 stammen, dann könnten auf die Investoren in diesen Wertpapieren noch viel größere Schwierigkeiten zukommen.

Zudem müssten dazu nicht einmal Subprime-Darlehen aus der ersten Hälfte dieser Dekade umkippen. Investmentmanager, die CDOs betreuen, können unter gewissen Umständen fällig werdende Schuldtitel durch Vermögenswerte in ihren Sicherheitenpools ersetzen. Wenn diese Manager eine Menge fauler Hypotheken-Bonds aus dem Jahr 2006 gegen Schuldtitel hereingenommen haben, die bei CDOs fällig wurden, die vor diesem Jahr emittiert worden waren, dann könnte das erklären, warum anfängliche "gute" Wertpapiere nun anfangen, andere Symptome auszubilden.

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