AIG
So klar wie dicke Tinte

Die US-Versicherungsgesellschaft AIG beschafft sich neues Kapital über sage und schreibe 12,5 Mrd. Dollar, was darauf schließen lässt, dass sich ein großer Teil des Nettoverlusts im ersten Quartal über 7,8 Mrd. Dollar als real herausstellen könnte. Aber vorher hat AIG erst noch eigene Aktien über fast zwei Mrd. Dollar zurückgekauft, die Dividende erhöht und behauptet, das „Kern“geschäft „laufe gut“. Daraus soll man jetzt schlau werden.

AIG sammelt neues Kapital über sage und schreibe 12,5 Mrd. Dollar ein, was darauf schließen lässt, dass sich ein großer Teil des Nettoverlusts der Versicherungsgesellschaft über 7,8 Mrd. Dollar im ersten Quartal als real herausstellen könnte. Aber es fällt schwer, die Kapitalerhöhung mit einigen anderen Worten und Taten der Versicherung in Einklang zu bringen. Vielleicht wird die Unternehmensleitung ja im Lauf des Tages bei einer Telefonkonferenz noch für eine Erleuchtung der Investoren sorgen.

Der eigentliche Grund für das miserable Quartal ist in ihrer früher sehr erfolgreichen Abteilung für Finanzprodukte zu suchen. Der Bereich verbuchte kreditversicherungsähnliche, nicht realisierte Verluste auf Credit Default Swaps, also auf Kreditderivate zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen, über 9,1 Mrd. Dollar. Solche Einbußen können sich umkehren, wenn sich die Marktbedingungen verbessern. Aber eine ursprüngliche Kapitalerhöhung über 7,5 Mrd. Dollar, die bereits eingeleitet worden ist, lässt darauf schließen, dass das Unternehmen keine allzu großen Hoffnungen in eine schnelle Kehrtwende setzt.

Vor diesem Hintergrund erscheint es umso überraschender, dass die Versicherung im ersten Quartal Aktienrückkäufe über zwei Mrd. Dollar vorgenommen hat – und später noch weitere, denen jetzt in absehbarer Zukunft allerdings keine mehr folgen dürften. Und eine Dividendenanhebung um zehn Prozent ist ein seltsamer Schritt für ein Unternehmen, das versucht, Kapital zu bewahren. Vielleicht hofft das Management darauf, damit den Aktienkurs während der Kapitalerhöhung stützen zu können.

Oder die Firma ist möglicherweise der Ansicht, dass die Probleme einem Geschäftszweig entstammen, nämlich der Abteilung für Finanzdienstleistungen, der nicht mehr länger dem Kernbereich zugerechnet wird. Das wäre eine Möglichkeit, die Erklärung von AIG zu deuten, in der es heißt, dass die Probleme das Ergebnis „widriger externer Umstände“ sind, aber dass die „operativen Strategien in unseren zum Kernbereich gehörenden Versicherungsgeschäften gut funktionieren“.

Dann ist ja alles in Ordnung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%