AIG und die Folgen
Obama muss es jetzt in den Griff kriegen

Die Empörung über die Boni bei AIG hat Finanziers in Teufel verwandelt und die Glaubwürdigkeit von US-Finanzminister Geithner weiter untergraben. Damit wird es für Präsident Obama noch schwerer, vom Kongress weitere Mittel für die Rettung der Banken zu erbitten. Aber bis die Finanzinstitute nicht wieder festen Boden unter den Füßen haben, wird die gesamte Weltwirtschaft weiter taumeln.
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Die Gegenreaktion auf die schwachsinnigen Bonuszahlungen von AIG könnte die Weltwirtschaft gefährden. Die Empörung über die Boni von 165 Mill. Dollar hat Finanziers und Banker in Teufel verwandelt und die Glaubwürdigkeit von US-Finanzminister Tim Geithner weiter untergraben. Dies wiederum wird es US-Präsident Barack Obama erschweren, vom Kongress weitere Mittel zu erbitten, um das Bankensystem wieder auf die Beine zu stellen. Und bis die amerikanischen Banken nicht wieder festen Boden unter den Füßen haben, wird die gesamte Weltwirtschaft weiter taumeln.

Die Unsicherheit, die die größten amerikanischen Finanzinstitute wie Citigroup und Bank of America umgibt, ist jetzt wohl der gewichtigste Einzelfaktor, der das Vertrauen beschädigt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte am Donnerstag prognostiziert, dass sich die weltweite Wirtschaft wahrscheinlich nicht erholen dürfte, bevor die Regierungen nicht einen "entschiedenen Durchbruch" bei der Lösung der Finanzkrise erreicht haben. Der IWF reihte sich zudem in den Chor der kritischen Stimmen ein, die bei Geithners ursprünglichem Bankenrettungsplan "grundlegende Einzelheiten" vermissen.

Es ist jetzt überaus wichtig, dass die Regierung von Obama diese Details nachreicht - etwa wie die Bedingungen genau aussehen, unter denen sie private Investoren dabei unterstützen will, verseuchte Vermögenswerte aus den Bankbilanzen abzuziehen. Die US-Regierung muss zudem festlegen, wie viel zusätzliches Kapital die Banken brauchen, um einer ausgeprägten Rezession gewachsen zu sein. Für dieses Programm wird der Kongress ganz sicher noch mehr Geld bereit stellen müssen. Obama selbst hat angedeutet, dass er vielleicht noch einmal 750 Mrd. Dollar dafür benötigt.

Vor ein paar Wochen noch hatte es so ausgesehen, als wäre es zwar knifflig, aber machbar, solche zusätzlichen Gelder zu erlangen. Mit dem AIG-Fiasko allerdings wurde die Latte noch höher gelegt. Geithner, der ohnehin schon dabei war, das Vertrauen des Kongresses nach seinen Steuerprobleme und seinen lauwarmen öffentlichen Auftritte zu verspielen, wird jetzt dafür kritisiert, nicht genug getan zu haben, um die Auszahlungen der AIG-Boni zu verhindern.

Gleichzeitig ist das Ansehen, das die Wall Street in der Öffentlichkeit einmal genossen hatte, dramatisch gesunken. Wie einfach wird es wohl werden, den Kongress davon zu überzeugen, einen weiteren gigantischen Scheck mit Mitteln der Steuerzahler auszustellen, wenn es ganz danach aussieht, als wären die letzten Gelder nur dafür eingesetzt worden, um Geldsäcken Boni zu finanzieren, die sie gar nicht verdient haben?

Eine solche Reaktion, so vollkommen natürlich und verständlich sie auch sein mag, wäre äußerst Besorgnis erregend. Bis die US-Banken nicht stabilisiert sind, wird sich die weltweite Wirtschaft fühlen, als sei sie ohne Kompass auf stürmischer See unterwegs. Der Rest der Welt muss jetzt darauf hoffen, dass Obama die Situation in den Griff bekommt, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.

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