Air France und KLM
Konfusion im Cockpit

Die französisch-niederländische Fluglinie will sich umfassend an der bevorstehenden Fusion zwischen ihren beiden Verbündeten aus den USA, Delta und Northwest, beteiligen. Gleichzeitig versucht sie, die fast insolvente Alitalia zu übernehmen. Da sich der Aktienkurs von Air France-KLM seit den Höchstständen im vergangenen Jahr halbiert hat, könnten sich die Aktionäre des Carriers um ihr Wechselgeld betrogen fühlen.

Die Investoren waren in jüngster Zeit nicht sehr beeindruckt von den Leistungen des Air France KLM-Chefs Jean-Cyril Spinetta. Und das, obwohl der Vorstandschef der Fluglinie konsequent starke Betriebsergebnisse abgeliefert hat, die oft die Erwartungen übertrafen - genau wie in der vergangenen Woche.

Sein Carrier hat es geschafft, das Passagieraufkommen zu erhöhen und gleichzeitig die steigenden Treibstoffkosten an die Kunden weiterzureichen. Das erklärt, warum die Fluggesellschaft trotz des Gegenwinds einer sich abschwächenden Konjunktur ihr Ziel, in diesem Jahr eine Kapitalrendite von sieben Prozent zu erreichen, bekräftigen kann.

Aber irgendetwas stimmt da ganz und gar nicht. Die Investoren haben die Aktien des Unternehmens nach der Bekanntgabe der positiven Nachrichten erst einmal auf eine Talfahrt um mehr als vier Prozent geschickt. Seit ihren Höchstständen im Juni 2007 haben die Papiere mehr als die Hälfte an Wert verloren. Derzeit werden die Titel zum 5,5fachen der Ergebnisse des kommenden Jahres gehandelt – das ist ein Abschlag um 20 Prozent gegenüber kleineren Konkurrenten wie British Airways oder Lufthansa.

Das kann daher rühren, dass Air France in jüngster Zeit überall auf der Landkarte mitmischen will. Die Fluglinie behält die spanische Iberia im Auge, nur für den Fall, dass sie ins Spiel kommt. Sie steht in Verhandlungen mit der italienischen Regierung, um die fast insolvente Alitalia zu übernehmen. Und jetzt hat sie auch noch kundgetan, sich mit einer umfangreichen Beteiligung bei der bevorstehenden Fusion der US-Fluggesellschaften Delta und Northwest engagieren zu wollen.

Der Deal in Italien könnte sinnvoll sein – wenn Air France nicht zu viel zahlt und die ständigen Einmischungen seitens der Politik abschütteln kann, was an sich schon einige Mühe kosten könnte. In die neue Delta Airlines zu investieren, wäre auch ein cleverer Schritt, und sei es nur, um die US-Firma davon abzuhalten, sich andere europäische Verbündete zu suchen.

Der französische Carrier ist bereits Partner von Delta in der “Skyteam”-Allianz und KLM hat Verbindungen zu Northwest. Air France könnte sich eine Beteiligung zwischen einer und zwei Mrd. Dollar mit Leichtigkeit leisten. Sie wäre dann im Board vertreten und sie und ihr transatlantischer Alliierter könnten das „Open Skies“-Abkommen zwischen den USA und Europa vollständig ausschöpfen.

Aber indem sie mehrere mögliche Abschlüsse gleichzeitig verfolgt, macht Air France den Eindruck, sie strecke sich zu weit nach allen Richtungen, ohne sich für eine klare Strategie entschieden zu haben. Zu einer Zeit, da die Fluggesellschaften möglicherweise auf Turbulenzen zuhalten, könnte sie ihre unzufriedenen Aktionäre wahrscheinlich versöhnlicher stimmen, wenn sie sich auf einen einzigen großen Deal konzentriert.

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