Airline-Fusionen
Lieber allein als in schlechter Gesellschaft

Continental zieht sich vorerst aus der Partnersuche zurück. Das könnte sinnvoll sein. Mit einer relativ jungen Flotte und einem geachteten Management-Team ist der Carrier in einer besseren Ausgangslage als die anderen großen US-Gesellschaften, um durchzuhalten – und davon zu profitieren, dass die anderen Konkurrenten mühsame Fusionsschlachten auskämpfen müssen.

Die viertgrößte US-Fluggesellschaft will sich die heftigen Flirts unter den amerikanischen Carriern nur aus der Ferne anschauen. Nachdem sich Delta mit Northwest zusammengeschlossen hat, waren Analysten und Branchenbeobachter davon ausgegangen, dass Continental mit dem kränkelnden Konkurrenten United fusioniert. Der jetzt gefällte Entschluss, unabhängig zu bleiben, könnte sinnvoll sein: Continental ist in relativ guter Verfassung und könnte davon profitieren, die Kosten und die logistischen Alpträume einer Fusion zu vermeiden.

Vorausgesetzt es kommt zu weiteren Zusammenschlüssen unter den Fluglinien, könnte Continental in der Lage sein, ihren Nutzen aus einer niedrigeren Branchenkapazität und höheren Ticketpreisen zu ziehen, ohne selbst eine Fusion hinter sich bringen zu müssen. Die angeschlagene United, zum Beispiel, hat keine Zeit verloren, sich nach anderen Partnern umzusehen. Laut Zeitungsberichten sind die Gespräche der Airline mit US Airways bereits recht weit gediehen. Die beiden Unternehmen hatten im Jahr 2000 bereits eine Fusion angestrebt, waren aber vom US-Justizministerium davon abgehalten worden.

Continental ist in einer besseren Position als die meisten ihrer Konkurrenten, um durchhalten zu können. Den Gläubigerschutz nach Chapter 11 der US-Konkursordnung hat die Firma bereits zweimal überstanden, zuletzt 1993. Mit einem Durchschnittsalter von zehn Jahren ist ihre Flotte jünger als die der anderen großen Legacy Carrier. Ihr Management gilt als „Klassenbester der Branche“, urteilt Credit Suisse. Auch hinsichtlich des Service erreicht Continental bessere Noten als die meisten Mitstreiter.

Airlines, die wie etwa Northwest alte, ineffiziente Maschinen fliegen, leiden am meisten unter den hohen Treibstoffkosten. Und in einem Abschwung müssen sie abwägen, ob sie in neue Flugzeuge investieren oder Kosten kürzen, um der Pleite zu entgehen. United beispielsweise hat in der vergangenen Woche einen Verlust über 542 Mill. Dollar im ersten Quartal ausgewiesen, die Aktien der Fluglinie verloren daraufhin um ein Drittel.

Die Entscheidung von Continental, vorerst solo zu fliegen, bedeutet nicht, dass das Unternehmen für immer alleine bleiben muss. Nach dem Delta-Northwest-Abschluss hat die Airline die von Northwest gehaltene “Goldene Aktie” abgelöst. Zuvor war Northwest in der Lage gewesen, gegen jede von Continental vorgeschlagene Fusion zu stimmen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt prüft die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben mögliche Allianzen, die im operativen Geschäft viel weniger Kopfzerbrechen verursachen als vollständige Fusionen. Es könnte ihr gelingen auszuharren – vielleicht in der Hoffnung, dass es ausländischen Fluglinien erlaubt werden könnte, größere Investitionen in US-Carrier vorzunehmen. Aber wenn Continental ihre Meinung tatsächlich einmal ändert, kann sie jetzt wenigstens aus freien Stücken den Bund fürs Leben schließen.

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