Aktien
Zieht die Samthandschuhe aus!

Die Aktienmärkte präsentieren sich in kräftiger Verfassung, die Wirtschaft erholt sich und die Rohstoffpreise steigen. Vor diesem Hintergrund sollte der Zielsatz für Fed Funds vielleicht bei zwei bis drei Prozent liegen. Doch die US-Notenbank darf bei der Geldpolitik keine Panik auslösen.
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Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank steht vor dem Problem, die richtigen Signale dafür zu setzen, wann die Fed eine Änderung des geldpolitischen Kurses vornehmen will. Die Aktienmärkte präsentieren sich in einer kräftigen Verfassung, die Wirtschaft erholt sich und die Rohstoffpreise steigen. Vor diesem Hintergrund sollte der Zielsatz für Fed Funds weit über dem Niveau von derzeit Null bis 0,25 Prozent liegen. Allerdings hat die Federal Reserve bei der Geldpolitik schon so lange Vollgas gegeben, dass sie jetzt die Zinsen nicht schnell anheben kann, ohne dabei Panik auszulösen. Sie könnte sich jedoch stärker darum bemühen als sie dies derzeit tut.

Volkswirte gehen häufig davon aus, dass ein Zinssatz, der rund zwei Prozentpunkte über der Inflationsrate liegt, hinsichtlich der Geldpolitik weder stimulierend noch restriktiv wirkt. In einer immer noch anfälligen Wirtschaft, die gerade aus einer tiefen Rezession auftaucht - wobei aber die Aktienmärkte und die Rohstoffpreise schnell steigen - , sollten die kurzfristigen Zinssätze die Inflation zwar vielleicht schon übersteigen, aber nur in engen Grenzen, die eine mild belebende Grundhaltung andeuten. Da die US-Verbraucherpreisinflation ohne die Bereiche Nahrungsmittel und Energie in den vergangenen zwölf Monaten bei 1,4 Prozent lag, könnte dies einen Zielsatz für das Tagesgeld von zwei bis drei Prozent nahe legen.

Die Fed hat also ein Problem. Wenn sie sich schnell auf einen Zielsatz dieser Höhe zu bewegt, wären die Zinssprünge, die dann erforderlich wären, raumgreifend und würden möglicherweise die Märkte verschrecken, was einen erneuten wirtschaftlichen Abschwung auslösen würde. Gleichwohl muss die US-Zentralbank aber die Erfahrungen aus den Jahren 2003 bis 2006 im Gedächtnis behalten. In diesem Zeitraum hatte die Fed die Zinsen immer nur um einen Viertelpunkt erhöht und war damit so langsam vorangeschritten, dass es mehr als zwei Jahre dauerte, bis ein angemessenes Level erreicht wurde. Gleichzeitig ließ sie es damit zu, dass die Inflation der Preise der Vermögenswerte in den Himmel schoss und sich die Blase immer mehr füllte, die jetzt so spektakulär in sich zusammengefallen ist.

In diesem Zusammenhang liest sich die Stellungnahme der Fed vom Mittwoch eher etwas zu lax. Da die Notenbank bei ihren monetären Maßnahmen das Gaspedal seit einem Jahr bis zum Anschlag durchgedrückt hält, wird es unweigerlich erforderlich werden, in einen ganz anderen Gang zu wechseln, wenn man zu einer vernünftigen Politik zurückkehren will. Diese Wende einzuleiten, um die Marktteilnehmer an diese Vorstellung zu gewöhnen, ist dringend geboten, um einen möglichen Inflationsdruck abzuwehren.

Eine kommende Anhebung der Zinsen um einen Viertelpunkt zu vermitteln - oder diese sogar gleich umzusetzen, hätte die richtige Botschaft ausgesandt, ohne dass dabei die Gefahr zu groß gewesen wäre, den Anlegern die Stimmung allzu gründlich zu verderben. Aber während die Fed die sich verbessernden Bedingungen abgenickt hat, hat sie nicht einmal die Möglichkeit von Zinserhöhungen ins Spiel gebracht. Wenn man die Märkte derart mit Samthandschuhen anfasst, besteht das Risiko, dass eine härtere Haltung zu spät kommen wird, um die Märkte davon abzuhalten, sich wieder einmal selbst zu überholen.

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