Aktienemissionen
Auch 2010 fließt der Champagner

Für ein Geschäftsfeld des Investment Banking hat sich die Krise als hervorragend erwiesen: die Emission und Platzierung von Aktien. Dank der Aktienemissionen angeschlagener Banken stellte sich 2009 als ein gutes Jahr heraus. Und ihr Bestreben, den Fremdkapitalanteil abzubauen, dürfte dafür sorgen, dass das Geschäft stark bleibt.
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Für ein Geschäftsfeld des Investment Banking hat sich die Krise als hervorragend erwiesen – für die Emission und Platzierung von Eigenkapitaltiteln. Der globale Verkauf von Aktien belief sich im Jahr 2009 auf insgesamt 889 Mrd. Dollar und lag damit nicht weit von dem 2007 erreichten Spitzenstand von 1,03 Bill. Dollar entfernt. Die ersten zehn Konsortialbanken konnten einen Gebührenpool von etwa 12,6 Mrd. Dollar unter sich aufteilen. Für die Banker dürfte auch im kommenden Jahr der Champagner fließen.

Strenge neue Vorschriften seitens der Bankenaufsichtsbehörden werden die Kreditinstitute und Versicherungsgesellschaften dazu zwingen, mehr Kapital aufzunehmen. In Europa arbeiten die italienische UniCredit, die niederländische ING und die österreichische Erste Bank an Bezugsrechtsemissionen. Andere werden folgen.

Die Finanzfirmen werden zudem das Für und Wider von Veräußerungen an den öffentlichen Märkten erwägen. Einige dieser Emissionen könnten opportunistisch sein. Die Banken könnten versuchen, den Erfolg zu kopieren, den Santander 2009 mit dem Verkauf eines Anteils an ihrer brasilianischen Tochter verbuchen konnte, bei dem die Spanier einen hohen Preis erzielten. Doch auch erzwungene Umstrukturierungen werden eine Rolle spielen.

Versicherungsgesellschaften, Asset Manager und Brokerhäuser werden zum Verkauf gestellt werden, während das Modell der Bancassurance abgewickelt wird und die Aufsichtsbehörden von den Empfängern staatlicher Beihilfen eine Verschlankung fordern.

Eine ebenfalls viel versprechende Quelle für das Geschäft stellen die Regierungen dar. Sie werden Aktien veräußern, die sie während der Krise gekauft hatten. In Europa und Asien werden sie auf ihrer Suche nach Einnahmen zudem das Tempo der Privatisierungen erhöhen. Ihr großer Bedarf könnte zu einigen Marketing-Tricks führen – Angebote zu einem Abschlag für Privatanleger oder Umtauschanleihen, die europäische Staaten auch schon früher eingesetzt haben.

Bei Erstemissionen lässt sich die Lage noch nicht ganz eindeutig absehen. Im Jahr 2009 stellten Deals aus den aufstrebenden Märkten quasi Selbstläufer dar. Auf sie entfielen drei Viertel der Neuemissionen des Jahres. Weitere Riesengeschäfte bahnen sich an, wobei Angebote über mehrere Mrd. Dollar von südkoreanischen Versicherern und von Swire Properties, der Immobiliengesellschaft aus Hongkong, in der Pipeline stecken.

Doch in den USA und in Europa weht ein rauerer Wind. Besonders unterkühlt wurden jüngst Emissionen von Unternehmen begrüßt, die von Beteiligungsgesellschaften gestützt wurden. Hellman & Friedman, TPG und die Carlyle Group mussten allesamt die Preise kürzen, um ihre Deals über die Bühne zu bringen.

Eine Marktkorrektur würde die rosigen Aussichten für Aktienemissionen, neu wie alt, in Mitleidenschaft ziehen. Da die Zentralbanken anfängliche Schritte einleiten, um Liquidität abzuziehen, stellt dies eine reale Gefahr dar. Doch so lange die Aktienkurse sich weiter dynamisch entwickeln, darf davon ausgegangen werden, dass sich die Aktienverkäufe vorerst überschlagen werden.

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