Aktienemissionen
Der größte US-Börsengang im Jahr

Die Erstemission von Verisk Analystics über 1,8 Mrd. Dollar ist der bisher größte Börsengang in den USA in diesem Jahr - und er ist auch einer der attraktivsten. Zum einen handelt es sich um ein solides, wachsendes und vertretbares Geschäft. Zum anderen wollen die Versicherungsgesellschaften, in deren Besitz sich Verisk befindet, unbedingt verkaufen, weil sie das Geld brauchen.
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Die Erstemission über 1,8 Mrd. Dollar von Verisk Analytics ist der bisher größte US-Börsengang in diesem Jahr - und er gehört auch zu den attraktivsten. Verisk verfügt über ein solides, wachsendes und vertretbares Geschäft. Die Firma erstellt zum Beispiel Verlustprognosen für Versicherungspolicen oder bietet Hilfestellungen für Unternehmen an, die Betrügern auf die Spur kommen wollen. Diese analytischen Dienstleistungen sind nützlich und werden wohl auch so schnell nicht obsolet werden. Darüber hinaus wollen die Versicherungsgesellschaften, denen Verisk gehört, unbedingt verkaufen, weil sie das Geld brauchen.

Wenn der IPO, wie derzeit indiziert, tatsächlich zu 21 Dollar je Aktie kommt, würde Verisk eine Marktkapitalisierung von 3,8 Mrd. Dollar erreichen. Wenn man annimmt, dass sich die Ergebnisse des Unternehmens weiter wie bisher verbessern - in den vergangenen Jahren wurde ein jährlicher Zuwachs um etwa 14 Prozent erzielt -, würde dies im kommenden Jahr auf ein Ergebnis von rund 200 Mill. Dollar hinauslaufen. Der IPO-Kurs entspräche demnach dem 18fachen der Ergebnisse des kommenden Jahres.

Das sieht interessant aus. Verisk kann auf eine lange Geschichte stabilen Wachstums verweisen - der Großteil der Einnahmen stammt aus langfristigen Abonnements. Verisk war zudem in der Lage, stetig neue Kunden hinzuzugewinnen und den bestehenden Kunden mehr Dienstleistungen zu verkaufen.

Außerdem nutzt jede der 100 führenden amerikanischen Sach- und Unfallversicherungen die Dienste von Verisk. Diese beherrschende Stellung und die nützliche Datenflut, die damit einhergeht, macht es schwierig, einen Konkurrenten aufzubauen.

Das Abonnementmodell birgt auch noch andere Vorteile. Die Firma erhält ihr Geld im Voraus, daher ist das Betriebskapital typischerweise negativ. Und für eine Ausweitung des Geschäfts sind nur relativ kleine Investitionen erforderlich - durchschnittlich weit unter fünf Prozent der Jahreseinnahmen. Kombiniert man diese beiden Faktoren, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass mehr Cash für die Aktionäre übrig bleibt.

Doch ein weiterer Aspekt, den IPO-Investoren immer prüfen sollten, steht noch aus: "Warum verkaufen die Eigentümer der Firma eigentlich?" Das ist dann besonders wichtig, wenn, wie im Fall von Verisk, sämtliche Aktien von bestehenden Investoren verkauft werden, so dass das Unternehmen kein neues Kapital erhalten wird. Doch auch darauf gibt es eine plausible Antwort: Bei den Eigentümern von Verisk, die verkaufen wollen, handelt es sich meistenteils um eine Reihe von Versicherungen, die nicht alle im besten Ruf stehen, kluge Investitionsentscheidungen zu treffen. Viele von ihnen brauchen einfach Geld.

Und fühlt sich der künftige IPO-Investor trotzdem immer noch etwas unbehaglich, dann sollte er vielleicht bedenken, dass zu den großen Aktionären von Verisk auch Warren Buffetts Berkshire Hathaway zählt - und Berkshire verkauft nicht.

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