Aktienemissionen
Endspurt beim Gang an die Börse

Opportunisten überschwemmen den US-Markt für Erstemissionen. Die seltsame Mischung an Unternehmen in der Warteschlange legt eine gewisse Überhitzung nahe. Doch hinter der ganzen Hektik scheint auch die Angst durch, dass dieses Fenster vielleicht doch nicht ganz so lange offen stehen wird.
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Der spannungsgeladene US-Markt für Erstemissionen wird gerade von Opportunisten überschwemmt. Bis zu acht Unternehmen planen in dieser Woche allein, bis zu 3,2 Mrd. Dollar an neuen Aktien zu verkaufen - ein seit 2007 nicht mehr erreichtes Volumen. Und der Spezialist für Versicherungsmathematik Verisk wartet im Hintergrund und hofft, in den kommenden Wochen nur für sich alleine zwei Mrd. Dollar einsammeln zu können. Die seltsame Mischung an Unternehmen in der aktuellen Warteschlange und die enormen Unsicherheiten, die viele dieser Firmen umgeben, legen eine gewisse Überhitzung nahe. Doch hinter der Hektik, mit der die Akteure auf den Markt drängen, scheint auch die Angst durch, dass dieses Fenster vielleicht doch nicht ganz so lange offen stehen wird.

Zwei Unternehmen, die sich dem Kauf von in Schwierigkeiten geratenen Hypothekendarlehen für Gewerbeimmobilien verschrieben haben, nämlich Colony Capital und Apollo Commercial Real Estate, scheinen von den Investoren am 22. September nur lauwarm begrüßt worden zu sein. Beide verkauften zwar zum indizierten Kurs, haben jedoch den Umfang ihres Angebots um die Hälfte gekürzt. Vielleicht spiegelt diese Entwicklung die Skepsis der Anleger gegenüber der Anzahl der Immobiliengesellschaften in den Pipelines der Konsortialbanken wider genau sowie die Besorgnis über einige der mit diesen Firmen verbundenen Strukturen.

Einige der Kandidaten werden über eine Fülle von liquiden Mitteln verfügen, die sie für den Kauf von Immobilien verwenden wollen, wie auch immer ihre Führungskräfte dies für richtig befinden. In einigen Fällen zumindest werden die Investoren bei den IPOs von Immobilieninvestmenttrusts wenig Einfluss haben. Sie können bei Akquisitionen nicht mitbestimmen und der Fondsmanager kann eine Änderung der Investmentstrategie vornehmen, ohne ihre Genehmigung einzuholen. Zudem fahren die Manager auf jeden Fall Gebühren ein, ganz unabhängig davon, wie sich ihre Investitionen entwickeln.

Ob die Investoren anderen Firmen auf der Liste mit ähnlichem Desinteresse begegnen werden, ist nicht ganz klar. Die Zukunft der Reformen des amerikanischen Gesundheitswesens ist zwar ungewiss, doch vielleicht hält dies die Anleger nicht davon ab, sich beim Börsengang der von Beteiligungsgesellschaften gehaltenen Spezialklinikgruppe Select Medical Holdings über 433 Mill. Dollar zu engagieren. Möglicherweise können sie sich auch für den Batteriehersteller A123 begeistern. Ob dies klug wäre oder nicht, kann nicht beantwortet werden, denn es ist schwierig, ein Unternehmen objektiv zu bewerten, das noch nie einen Betriebsgewinn erzielt hat.

Und sie finden vielleicht sogar Gefallen an dem Online-Vitaminverkäufer Vitacost, der Aktien im Wert von bis zu 140 Mill. Dollar anbietet. Der indizierte Preis - der beim etwa Zwanzigfachen dessen liegt, was die schnell wachsende Firma in diesem Jahr verdienen könnte, - mag vernünftig erscheinen. Doch die in Boca Raton ansässige Gesellschaft wurde von Wayne Gorsek gegründet und ist von ihm auch bis vor kurzem geleitet worden - und Gorsek war im Jahr 2002 wegen Aktienbetrugs zur Verantwortung gezogen worden. Ihm ist auf unbestimmte Zeit untersagt, bei dem Unternehmen eine Führungsposition einzunehmen. Trotzdem hat ihn Vitacost zum "Chefarchitekten für das operative Geschäft" ernannt und zahlt ihm ein Jahresgehalt von 350 000 Dollar. Nach der Erstemission wird Gorsek 17 Prozent an der Firma behalten. Das soll nicht heißen, dass etwas mit dem Vitaminanbieter nicht stimmt, doch sein ungewöhnlicher Stammbaum könnte einige Investoren dennoch abschrecken.

Wie lange das IPO-Fenster offen bleibt, steht in den Sternen. Aber eines ist klar: Opportunistische Kandidaten für einen Börsengang werden solange weiter auf den Markt strömen, so lange die Investoren mit ihrem Geld herausrücken und dabei scheinbar keine allzu großen Unterschiede machen.

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