Aktienmärkte
Wachstumsschwund und Schuldenkrise drücken die Kurse

Kursrutsch am Montag, in Europa brachen die Märkte ein. Den Investoren wird bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA zunimmt. Die Schwäche dürfte also anhalten. Zwei wesentliche Triebfedern des Bullenmarktes – Aktienrückkäufe und günstige Kredite für Käufer – sind nahezu verschwunden.

Die europäischen Börsen gaben am Montag um bis zu 7 Prozent nach, die schwächste Vorstellung seit den Terrorattacken vom 11. September 2001. Der Nachmittag brachte eine leichte Erholung. Aber die Abwärtsbewegung passt in das bisherige Muster des Jahres 2008 und wird voraussichtlich noch anhalten.

Die Wirtschaftsnachrichten sind schlecht. Die Investoren scheinen endlich begriffen zu haben, dass die amerikanische Wirtschaft nachgibt, gut möglich bis hin zur Rezession. Ein Kulminationspunkt ergab sich in der vergangenen Woche, als der Wirtschaftsindikator der Philadelphia Federal Reserve einen Negativwert von 20,9 erreichte. Alle vorangegangenen Werte, die unter minus 20 lagen, gingen mit einer Rezession einher.

Optimisten sind der Meinung, dass die Globalwirtschaft nicht allzu sehr von US-Problemen in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Oberhand haben zurzeit allerdings die Pessimisten. Wenn sich die USA eine Lungenentzündung einhandelt, wird der Rest der Welt zumindest eine schlimme Erkältung kriegen.

Dann sind da noch die Finanzfaktoren. Härtere Kreditkonditionen sind auf vielfältige Weise schlecht für Aktien. Selbst wenn die Konjunktur die Betriebsergebnisse unbeeinflusst lässt, führen höhere Finanzierungskosten zu sinkenden Gewinnen bei den Aktionären.

Hinzu kommt, geringere Gewinne und teurere Kredite begrenzen die Mittel der Unternehmen für Aktienrückkaufsprogramme. In den zurückliegenden drei Wachstumsjahren ist die Zahl der umlaufenden Aktien in den USA gesunken. Die Kurse haben davon profitiert. Aber die Zahl der Unternehmen, die vermögend und zuversichtlich genug sind, mit den Rückkaufsprogrammen fortzufahren, ist deutlich gesunken.

Auch die Investoren haben weniger Mittel, um Aktien zu kaufen. In den USA trugen steigende Immobilienpreise dazu bei, Aktienkäufe zu finanzieren, und allerorten standen großzügige Primebroker bereit, die die Hedgefonds im Markt hielten. Bei fallenden Preisen auf dem Markt für Wohnimmobilien und Banken, die darunter leiden, ist die Zahl der Käufer zusammengeschrumpft.

Geld bringt Geld hervor; Verluste provozieren Verluste. In den Boomjahren türmten sich Risiken immer einfallsreicher auf Risiken. Jetzt kehrt sich der Prozess um. Auf den Märkten hofft man auf Zinssenkungen und eine Wachstumsschwäche, bei der man mit dem Schrecken davonkommt.

Danach sieht es im Moment nicht aus. Die Märkte segelten zu lange unter der glücklichen Annahme, dass ein Untergang gar nicht möglich wäre. Die Annahme war falsch, es sieht ganz danach aus, dass die Rettungsboote knapp werden.

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