Aktientausch
Erstickungsgefahr

Unternehmen mit überbewerteten Aktien sind oft versucht, diese für die Akquisition billigerer Wettbewerber einzusetzen. Nehmen wir den Kauf des US-Agrarproduzenten Corn Products durch Bunge für 4,4 Mrd. Dollar. Der Abschluss sieht ein wenig nach Wertvernichtung aus. Warum sollte man sich also darauf einlassen? Nun, die Aktien von Bunge sind im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen.

Unternehmen mit überbewerteten Aktien sind oft versucht, diese für den Kauf billigerer Konkurrenten einzusetzen. Der Rohstoff-Boom hat dieser Strategie, die sich für die Aktionäre des Käufers als überraschend feindlich erweisen kann, neues Leben eingehaucht. Ein bemerkenswertes jüngstes Beispiel dafür, dass ein Rohstoff-Unternehmen seine kräftig gestiegenen Aktien hernimmt, um für einen Branchenkollegen zu bieten, ist die Offerte von BHP für den Konkurrenten Rio Tinto im Wert von 150 Mrd. Dollar. Jetzt hat sich der Agrarproduzent Bunge dazu entschlossen, eigene Titel über 4,4 Mrd. Dollar gegen Papiere von Corn Products International zu tauschen. Aus Sicht der Bunge-Aktionäre sieht der Abschluss aus, als hätten sie mit einer leichten Wertvernichtung zu rechnen. Warum sollten sie sich also darauf einlassen? Nun, die Aktien von Bunge sind im vergangenen Jahr um 50 Prozent geklettert, während die Titel von Corn Products, die die Preise ihrer Produkte kaum beeinflussen kann, kaum von der Stelle kamen.

Nach Angaben von Bunge könnte eine Zusammenlegung zu jährlichen "Kostenkürzungen und einem Wertzuwachs" zwischen 100 Mill. und 120 Mill. Dollar führen. Wenn der Abschluss dieses Potenzial erfüllt, könnten heute für die Aktionäre Werte über vielleicht 840 Mill. Dollar geschaffen werden. Das ist weniger als der Aufschlag, den Bunge zu zahlen bereit ist und der sich auf etwa 970 Mill. Dollar beläuft. Doch der Abstand erscheint winzig, wenn man bedenkt, dass die Marktkapitalisierung von Bunge im vergangenen Jahr um fast fünf Mrd. Dollar gestiegen ist. Corn Products zu kaufen, könnte sich als kluge Absicherung herausstellen, falls die Aktionäre von Bunge übermäßig optimistisch sein sollten.

Das einzige Problem dabei ist, dass diese Wetten gewöhnlich nicht aufgehen. In einer jüngsten Studie fanden die Akademiker Baruch Lev und Feng Gu heraus, dass bei Akquisitionen, bei denen die Aktionäre des Zielunternehmens durch Aktien der übernehmenden Firma abgefunden werden, tendenziell Werte vernichtet werden. Zudem entwickeln sich die Aktien von Unternehmen, die überteuerte Papiere als Währung einsetzen, tatsächlich schlechter als die Titel von Konkurrenten, die sich zurückhalten. Die Probleme, die dabei entstehen, wenn man zwei Firmen zusammenschweißt, sind größer als die Vorteile, die man daraus bezieht, dass man mit Rabattmarken zahlt.

Natürlich könnte sich Bunge auch auf dem richtigen Kurs befinden, da beide Unternehmen eng miteinander verwandt sind. Mit AOL-Time lässt sich der Del allerdings auch wieder nicht vergleichen. Die Aktionäre jedoch haben nach der Vorstellung der Pläne die Bunge-Aktie erst einmal um mehr als neun Prozent zurückgestuft. Wenn der Markt noch ein paar Mal auf ähnliche Weise reagiert, könnte sich der Eifer der Manager, einen Aktientausch herbeizuführen, abkühlen, selbst wenn sie auf Aktien sitzen, die durch die Spekulationsblase aufgebläht sind.

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