Aktivismus
Deutsche Börse: TCI hinterlässt ein zwiespältiges Erbe

TCI zieht sich bei der Deutschen Börse zurück. Der Hedge Fonds hat zwar im Lager der aktivistischen Investoren gepunktet. Aber seine Aggressivität hat einen Schatten auf die Branche geworfen. Und europäische Aktionäre zögern immer noch, Unternehmen zu attackieren, die hinter ihren Zielen zurückbleiben.
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The Children?s Investment Fund (TCI) galt in Europa einst als Pionier in Sachen Aktionärsaktivismus. Im Jahr 2005 führte TCI zusammen mit dem amerikanischen Hedge Fonds Atticus einen Feldzug an, der die Offerte der Deutschen Börse für die London Stock Exchange (LSE) vereitelte. Und erst vor ein paar Monaten forderten sie eine Aufspaltung des deutschen Börsenbetreibers. Doch jetzt zieht der in London ansässige Hedge Fonds weiter. Wie Atticus hatte er vor kurzem seine Beteiligung an der Deutschen Börse verkauft.

TCI hinterlässt ein zwiespältiges Erbe. Einerseits kann man dem TCI-Gründer Chris Hohn zu Gute halten, dass er der Arroganz eines Managements, das sich auf den Bau eines Imperiums verlegt hatte, einen Stich versetzt hat. Er erinnerte die Deutsche Börse daran erinnert, dass sie bei der Entscheidung, wie ihr Geldberg ausgegeben werden sollte, an eine treuhänderische Verpflichtung gebunden war. Und er demonstrierte, wie machtvoll Aktionäre agieren können, wenn sie sich zusammen schließen. Es gelang ihm sogar, viele Fonds, die nur Kaufpositionen eingehen - darunter Fidelity - für seine Sache zu gewinnen.

Aber Hohns Beispiel wirkte nicht inspirierend. Europäische Aktionäre bleiben eben zu einem großen Teil zahme Wiederkäuer. Man bedenke nur, wie selbst misstrauische Investoren untätig dabei zusahen, wie die Royal Bank of Scotland auf ihren Niedergang zusteuerte.

Wie kam es aber zu diesem Mangel an Durchsetzungskraft? Zunächst einmal waren die Argumente von TCI im Fall der Deutschen Börse nicht recht überzeugend. Der Hedge Fonds blockierte eine Bar-Offerte zu 530 p je Aktie für die LSE mit der Begründung, dies wäre zu großzügig. Ende 2006 bot die Nasdaq dann 1243 p je Aktie. Der Finanzkollaps traf alle Börsen schwer, aber es sieht kaum so aus, als hätte TCI damit eine eklatante Missachtung des Shareholder Value identifiziert.

Darüber hinaus sahen die Forderungen von TCI nach Aktienrückkäufen selbst 2005 schon so aus, als wären sie nur auf die kurze Frist ausgelegt. Die Kreditkrise hat eine solche Finanzsteuerung weitgehend diskreditiert.

Und dann schlug auch noch seine Taktik fehl. Die Deutsche Börse hatte sich zwar über die Aktionärsdemokratie hinweggesetzt. Aber Hohn ging derart auf Konfrontationskurs, dass sich ein deutscher Politiker dazu hinreißen ließ, Hedge Fonds mit Heuschrecken zu vergleichen. Die Branche kann sich glücklich schätzen, dass sie einer strengeren Regulierung entkommen ist. Alles in allem, wäre der Sache des Aktionärsaktivismus ein besserer Dienst erwiesen worden, wenn nicht ausgerechnet TCI als ihr Bannerträger fungiert hätte.

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