Al Gore
Frieden in einer anderen Zeit

Als 1901 der erste Friedensnobelpreis verliehen wurde, bedeutete Frieden einfach das Gegenteil von Krieg. Doch die Zeiten haben sich geändert. Vor allem die jüngsten Preisträger zeugen von einer besonders weit gefassten Interpretation des Friedenskonzepts.

Als 1901 der erste Friedensnobelpreis verliehen wurde, bedeutete Frieden einfach das Gegenteil von Krieg. Die Zeiten haben sich geändert. Die Vergabe des Preises im Jahr 2007 an Al Gore und den UN-Klimarat für ihren Kampf gegen die vom Menschen verursachte globale Erwärmung, zeugt von einer besonders weit gefassten Interpretation des Friedenskonzepts.

Seit Jahrzehnten hat das norwegische Nobelpreiskomitee seine Definition von Frieden erweitert. Einzelne Wohltäter wie Albert Schweitzer und Mutter Teresa waren Preisträger. In der jüngeren Vergangenheit wurde Armut als Bedrohung für den Frieden begriffen. Und so ist der Preis an den Begründer der Grünen Revolution in der landwirtschaftlichen Produktivität und an eine Bank für die Ärmsten der Armen in Bangladesch gegangen.

Aber mit der Preisverleihung 2007 kamen zwei neue Vorstellungen hinzu. Die erste ist die der wissenschaftlichen Propaganda, wobei die Wissenschaft eher vom UN-Klimarat stammt und die Propaganda eher von Gore. Die zweite Vorstellung dreht sich um Makroökonomie - das Zusammenspiel von Vorschriften und Steuern, die gebraucht werden, wenn der CO2-Fußabdruck, den der Mensch hinterlässt, kleiner werden soll. Das Komitee beschreibt dies als "die Prozesse und Entscheidungen", die notwendig sind, um gute Absichten in politisches Handeln umzuwandeln.

Gore hat mit recht gutem Erfolg seine Bekehrungswissenschaft in politisch-ökonomische Realität verwandelt. Auch vor der Absegnung aus Oslo hat er schon den makroökonomischen Ton der Debatte bestimmt. Jetzt will nicht einmal mehr die Bush-Regierung argumentieren, dass größerer Wohlstand der wirksamste Weg ist, um mit einer widriger werdenden Wetterlage fertig zu werden. Stattdessen hat sie sich jetzt Gores Kampf für detaillierte restriktive Gesetze angeschlossen.

Gore brennt nicht darauf, als makroökonomischer Ideologe für den Umweltfrieden identifiziert zu werden. Er, der sein ganzes Leben in den Dienst der Politik gestellt hat, möchte seinen Kreuzzug auch ganz und gar nicht im politischen Licht sehen. Er sagt, es sei "eine moralische und spirituelle Herausforderung für die ganze Menschheit".

Praktisch gesehen, wird ein solches Gerede über eine quasitranszendentale Motivation wahrscheinlich mehr dazu beitragen, gesetzliche Begrenzungen für CO2-Emissionen durchzusetzen, als der direktere technokratische Ansatz, der gewöhnlich von Makroökonomen bevorzugt wird. Während die Paragraphenreiter der Wirtschaftspolitik zwar nicht den Friedensnobelpreis gewonnen haben, können sie trotzdem zufrieden sein. Einer ihrer Fürsprecher hat ihn heimgebracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%