Alcatel
Kein Anschluss unter dieser Nummer

Die katastrophale Fusion zwischen der französischen Alcatel und der amerikanischen Lucent Technologies ist gescheitert. Die Zusammenarbeit der beiden Telekomausrüster wird durch transatlantische Kämpfe gelähmt, bei denen keine der beiden Parteien über ihre nationalen Eigeninteressen hinauswachsen kann. Es ist Zeit, reinen Tisch zu machen und einen Neuanfang vorzubereiten.

Das schlimmste Urteil über die seit einem Jahr bestehende Fusion der französischen Alcatel mit der amerikanischen Lucent Technologies ist wohl das große Gähnen, mit dem der Markt die jüngsten Hiobsbotschaften des Unternehmens entgegengenommen hat. Weder die Wertberichtigungen über 2,5 Mrd. Euro im vergangenen Quartal, weder die Ankündigung eines Verlusts im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs, noch die Tatsache, dass für 2007 die Dividende gestrichen wird, haben die Markteilnehmer noch überrascht. Denn seitdem die beiden Telekomausrüster hastig zusammengelegt worden waren, sind schlechte Nachrichten von noch schlimmeren abgelöst worden, wobei mehr als die Marktkapitalisierung dessen, was sich einst Lucent nannte, versickert ist.

Wie lange soll dieser Alptraum noch weitergehen? Die Antwort ist in den Verordnungen zu finden: weitere zwei Jahre. Das ist der Zeitraum, in dem Alcatel weiter in den Fängen eines gelähmten Board und eines unfähigen Managements zappeln wird. Gemäß den Fusionsvereinbarungen setzt sich das Gremium aus sechs amerikanischen, sechs französischen Mitgliedern und zwei „Europäern“ zusammen.

Und eine Sonderbestimmung macht es während einer „Übergangsphase“ unmöglich, den Non Executive Chairman Serge Tchuruk oder die CEO Pat Russo zu entlassen, wenn nicht zwei Drittel des Board zustimmen. Die Bestimmung sollte dafür sorgen, dass sich Tchuruk über die Vorschriften für eine Altershöchstgrenze hinwegsetzen konnte, durch die er sonst zur Aufgabe seines Amtes gezwungen gewesen wäre. Und sie sollte Russo ein wenig dagegen absichern, dass der Chairman sie nicht genau so abschießt, wie er dies mit allen seinen anderen potenziellen Nachfolgern die Jahre zuvor getan hatte.

Die Fusion ist nie wirklich vollzogen worden. Der Hauptgrund dafür ist, dass sich die französische und die amerikanische Seite ständig in den Haaren liegen und jede Partei nur nach nationalen Eigeninteressen und nicht zum Wohl des Unternehmens abstimmt. Wichtige Entscheidungen werden verschleppt. Alcatel behauptet dagegen, dass Chefin Russo nach dem normalen Anpassungsprozess jetzt die Zügel fest in der Hand hält.

Fest steht, dass sowohl Tchuruk als auch Russo für das vergangene und verlorene Jahr verantwortlich sind, weil keiner der beiden über die kleinlichen transatlantischen Kämpfe hinausgewachsen ist, die die eigentliche Ursache dafür sind, dass das Unternehmen die Kehrtwende nicht schafft. Die französischen und amerikanischen Board-Mitglieder sollten sich endlich zusammenschließen und beide entlassen. Der Fall ist denkbar einfach: Tchuruk und Russo haben versagt. Sie sollten gehen.

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