Alcatel Lucent
Auf der Suche nach dem Plan

Alcatel-Lucent braucht einen richtigen Chef. Der jüngste Sanierungsplan für den angeschlagenen franko-amerikanischen Telekomkonzern ist weder radikal genug noch strategisch wirklich nachvollziehbar. Das liegt zum einen daran, dass Vorstandsvorsitzende Pat Russo es mit einem 24-köpfigen Aufsichtsrat zu tun hat und zum zweiten mit einem Vorsitzenden, der sich in die Geschäfts-führung einmischt.

Wenn es nach dem Aufsichtsrat geht, lassen sich die Probleme des Telekomausrüsters mit dem Rausschmiss des Finanzvorstands und der Trennung von weiteren 4000 Angestellten lösen. Angesichts des katastrophalen dritten Quartals, das im September nach der dritten Gewinnwarnung in diesem Jahr schon zu erwarten war, wird Alcatel aber mehr tun müssen, um die Aktionäre wieder hoffnungsvoller zu stimmen. Sie mussten zusehen, wie der Kurs ihrer Aktie in einem Jahr um fast 40 Prozent fiel.

Alcatel-Chefin Pat Russo legte einen dreiteiligen Sanierungsplan vor, der in die richtige Richtung weist, allerdings noch deutlich zu kurz greift. Mit der Streichung von 4 000 Stellen wird das Produktivitätsproblem bestenfalls angetippt – 16 000 weitere Arbeitsplätze müssten dem Rotstift zum Opfer fallen, nur um das gleiche Produktivitätsniveau zu erreichen wie der größere Konkurrent Ericsson. Die neuen Kürzungen, zusätzlich zu den bereits angekündigten 12 500 Arbeitsplätzen, könnten die jährlichen Synergieeffekte um 400 Millionen bis 2,1 Milliarden Euro erhöhen. Vorsicht ist allerdings geboten. Stellenstreichungen nur um der Stellenstreichungen willen und ohne strategische Neuausrichtung könnten den Anfang einer tödlichen Abwärtsspirale bilden.

Noch ist unklar, was Russo mit dem Unternehmen im Sinn hat, abgesehen vom Warten auf bessere Zeiten, die vielleicht nie kommen. Alcatal hat sowohl Markt- als auch Produktprobleme. Die großen, etablierten Kunden des Unternehmens verschieben die anstehende Upgrade-Runde – werden aber letztendlich, so die Hoffnung, wieder investieren müssen. Die Produktprobleme sind schwerer zu lösen. Alcatels Mobiltechnologie CDMA nähert sich dem Ende ihrer Lebensdauer und verliert Geld an die nächste Technologiegeneration. Aber immer noch versucht Alcatel alles für jeden zu bieten. Das Unternehmen wäre besser beraten, sich auf seine Kernkompetenzen zu besinnen, wie optische Transmission, Dienstleistungen oder sein Knowhow in der IP-Technologie.

Das aber könnte schwierig werden. Die französisch-amerikanische Gruppe wird zwischen politischen Diskussionen und unklaren Führungsansprüchen aufgerieben. Ein klarer Turnaroundplan kann nur entstehen, wenn die Verantwortlichkeiten bei Alcatel geklärt sind. Die Vorstandsvorsitzende Pat Russo könnte die Richtige sein, vorausgesetzt, sie wird nicht länger durch einen Aufsichtsrat mit 24 Mitgliedern gebremst und durch einen Vorsitzenden, den früheren Alcatel-Chef Serge Tchuruk, belastet, der glaubt, sich in alle wichtigen Entscheidungen einmischen zu müssen. Was Alcatel braucht, um die Flaute zu überstehen, ist eine starke Führungspersönlichkeit – eher jedenfalls als einen neuen Finanzvorstand.

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