Alcatel-Lucent
Morgendämmerung

Der frühere BT-Chef Ben Verwaayen wird den französisch-amerikanischen Telekomausrüster als Vorstandschef führen. Philippe Camus, früher Teil einer Doppelspitze bei EADS, wird den Vorsitz im Verwaltungsrat übernehmen. Die Personalien sind gut gewählt. Ihre Priorität sollte sein, den Graben zwischen dem französischen und dem amerikanischen Teil des Konzerns zu überwinden.

Investoren von Alcatel-Lucent könnten endlich das erste Licht anbrechender Morgendämmerung sehen, nachdem sie finstere zwei Jahre verbrachten in dem Bedauern, der Fusion jemals zugestimmt zu haben. Der Verwaltungsrat des franko-amerikanischen Telekom-Ausrüsters hat ein ungewöhnliches französisch-niederländisches Paar dazu erwählt, den Konzern aus seiner Zerstrittenheit zu führen, die vom vormaligen Führungsduo aus Verwaltungsratschef Serge Tchuruk und Vorstandsvorsitzendem Pat Russo ausgelöst wurde.

Philippe Camus, der 60jährige Co-Aufsichtsratschef von Lagardère, der nebenbei noch in den USA als Investmentbanker arbeitet, wird in seiner neuen Position willkommene Erfahrung einbringen bei der Besänftigung rivalisierender nationaler Egoismen. Camus war zwischen 2000 und 2005 einer von zwei Vorstandschefs der EADS, des französisch-deutschen Luft- und Raumfahrtkonzerns, der nach Camus? Amtszeit in eine skandalbehaftete Ära eintrat. Man erinnert sich an Camus als einen, der kulturelle Gräben überwinden und das Unternehmen mit einem deutschen Co-Chef problemlos führen konnte. Camus sollte sich darauf konzentrieren, die Leistung des seit langem gespaltenen Aufsichtsrats von Alcatel-Lucent zu verbessern, was keine leichte Aufgabe ist.

Die Hauptverantwortung für die Zukunft des Unternehmens lastet jedoch auf den Schultern des neuen Vorstandschefs Ben Verwaayen. Der gebürtige Niederländer brachte als BT-Chef das Breitband nach Großbritannien. Er ist eine routinierte Führungskraft in der Telekom-Branche und arbeitete auf beiden Seiten des Zaunes, der Kunden und Lieferanten voneinander trennt. Vier Jahre war er auch bei Lucent tätig. Verwaayen war sogar einer der führenden Köpfe einer Mannschaft, die im Jahr 2001 erstmals eine Fusion mit Alcatel versuchte. Damals scheiterten die Gespräche an der Konfrontation nationaler Interessen, es war eine Warnung vor dem, was kommen sollte.

In den letzten zwei Jahren schafften es Tchuruk und Russo, jedes Versprechen zu brechen, dass sie zum Zeitpunkt der Fusion abgaben. Sie führten das Unternehmen, indem sie französische und amerikanische Vorstände gegeneinander ausspielten, und ließen Alcatel hinter seine Wettbewerber zurückfallen.

Camus und Verwaayen werden es nicht leicht haben. Alcatel ist in einem Zustand, der es nicht erlaubt, Entscheidungen auf der Basis nationaler Quoten oder aus politischen Gründen zu fällen. Ihre Berufung ist die erste sinnvolle Entscheidung des Aufsichtsrates seit zwei Jahren. Beide Männer sollten sicherstellen, dass es nicht die letzte ist.

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