Alitalia: Nebel über Mailand

Alitalia
Nebel über Mailand

Air France will Alitalias Drehkreuz in Mailand schrumpfen. Das mag wirtschaftlich sinnvoll sein, politisch ist es weniger klug. Alitalia braucht dieses Jahr stolze 750 Millionen Euro, um in der Luft zu bleiben. Die Gefahr eines Zusammenbruchs sollte dem Gebot der Franzosen für die Staatslinie in die Hände spielen, es könnte aber auch noch anders kommen.

Das Gebot von Air France-KLM für Alitalia wird zum Politikum. Die französische Fluggesellschaft begann achtwöchige exklusive Gespräche mit den Italienern am 15. Januar, wenige Tage vor dem Zusammenbruch der Regierung in Rom. Der Kollaps zählt bei den Verhandlungen, weil Silvio Berlusconi, der wahrscheinliche Gewinner bei Neuwahlen, auf die Unterstützung der lombardischen Lega Nord angewiesen ist. Diese Partei bekämpft nach Kräften Pläne der Air France, das von der Regierung kontrollierte Alitalia-Drehkreuz in Mailand zu schließen.

Air France könnte versucht sein, dem politischen Gegenwind durch einen schnellen Abschluss der Verhandlungen mit einer Übergangsregierung entgegenzuwirken. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der Einmischungen in grenzüberschreitende Unternehmensangelegenheiten nie abgeneigt ist, könnte dies forcieren. Aber Air France betont, keinen Vertrag unterschreiben zu wollen, bevor nicht alle Einzelheiten untersucht sind – nicht vor März. Die Franzosen beharren zudem darauf, dass die Schließung der verlustträchtigen Basis in Mailand nicht verhandelbar ist.

Während sich die Politiker zanken, blutet Alitalia weiter aus. Die Fluglinie verkündete am Mittwoch, ohne eine Kapitalspritze von 750 Millionen Euro den Flugbetrieb bis Mitte des Jahres einstellen zu müssen. Theoretisch sollte diese Aussicht die italienische Regierung zu schnellem Handeln drängen. Notkredite sind nach EU-Recht nicht mehr zulässig.

Dennoch wird die Regierung wohl nicht klein beigeben. Kartellexperten glauben, dass ein zur verkaufsfördernden Aufhübschung der Alitalia bestimmtes Darlehen der Prüfung durch die Brüsseler Kontrolleure standhalten könnte. Bis irgendwelche Zwangsmaßnahmen beschlossen sind, würden zudem Monate vergehen, wenn nicht Jahre. Bis dahin könnte Alitalia weiterfliegen.

Air France hat noch immer die Zeit auf ihrer Seite. Der Plan der Franzosen, über Alitalia Passagiere aus Norditalien dem eigenen Drehkreuz in Paris zuzuführen, klingt plausibel. Leitungsgremien und Piloten von Alitalia verstehen das und unterstützen deswegen das Gebot der Franzosen. Je größer die Sorgen der italienischen Fluglinie werden, umso mehr Zugeständnisse könnte Air France auch den eher widerspenstigen Gewerkschaften abringen.

Wenn Air France aber zu lange wartet, könnte Alitalias ohnehin schon schwierige finanzielle Situation so fatal werden, das nur noch wenig zum Kaufen übrig bleibt. Das ist allerdings ein Risiko, dass die Franzosen eingehen sollten.

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