Kolumnen
Alles wird teuer

Jetzt auch noch das Geld teurer.

Jetzt auch noch das Geld teurer. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet kündigt eine Zinserhöhung an, nachdem die große Koalition kräftige Steuererhöhungen beschlossen hat – vielleicht hat er gedacht, im Kielwasser der Politik schwimmt es sich leichter.


Beides – höhere Steuern und steigende Zinsen – ist Gift für die Konjunktur. In dem Punkt stimmen linke Politiker mit angelsächsischen Ökonomen überein. Und die meisten Bürger dürften es ganz ähnlich sehen: Alles wird teurer.
Das ist aber nur eine Lesart. Sie liegt nahe und eignet sich gut dazu, schlechte Laune zu verbreiten und mit der neuen Regierung von vornherein unzufrieden zu sein. Ab ist sie auch realistisch?
Die andere Lesart lautet: Die Politik gewinnt endlich wieder Bodenhaftung. Die Finanzpolitiker erinnern sich an das Prinzip, nur das Geld auszugeben, was sie einnehmen. Und die Geldpolitiker hören auf, ihr Geld – nach Abzug der Inflationsrate – zum Nulltarif zu verleihen.
Die Kehrtwende in zwei wichti gen Finanzbereich ist eine gute Nachricht. Nur droht sie im Moment fast unterzugehen. Und weil die Konjunktur in den Köpfen der Menschen entsteht, droht auch der Effekt dieser guten Nachricht zu verpuffen.
Den Pessimisten kann man einen realistischeren Blick empfehlen: Der niedrige Zins hat bisher die Konjunktur auch nicht beflügelt. Und wenn sie tatsächlich anspringt, werden ihr Leitzinsen von 2,5 Prozent nicht den Garaus machen. Umgekehrt gilt aber: Wenn die Geldpolitik zu locker ist, macht sie den Sparern das Leben schwer, weil die keine Renditen mehr bekommen und Kursblasen an den Kapitalmärkten drohen.
Auch beim Blick nach Berlin empfiehlt sich mehr Realismus: Wer einen großen Umbau des Sozialstaats erwartet hat, der hat das letzte Wahlergebnis nicht zur Kenntnis genommen. Wer beklagt, dass der Subventionsabbau im Endeffekt auf höhere Steuern hinausläuft – zum Beispiel für Pendler und Häuslebauer – der verkennt, dass Subventionsabbau meistens höhere Steuern bedeutet. Mehr als eine e rnsthafte Anstrengung, den Haushalt zu sanieren, war gar nicht zu erwarten.
Die vermeintlich schlechten Nachrichten sind also eigentlich gute Nachrichten. Was aber in Frankfurt und noch mehr Berlin fehlt, sind Politiker, die ihre Politik überzeugend verkaufen. Die deutlich machen: Wir bringen die Finanzwelt wieder in Ordnung, deswegen ist Zuversicht angesagt.

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