Allfinanz setzt sich über Mortalitätsprognosen hinweg
Lebensversichert

Die Allianz hat sich beim Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank ihren Vertriebskanal für Versicherungsprodukte weiter offengehalten. Die deutsche Versicherung und die Commerzbank sind davon überzeugt, dass der Deal die Versicherungsumsätze beflügeln wird. Allfinanz ist nicht überall ein Kassenschlager, hält sich aber hartnäckig am Leben.

Allfinanz ist eine Strategie, die - obwohl schon mehrfach totgesagt - munter weiter existiert. Allianz, Europas größte Versicherung, und Commerzbank bemühen sich jedenfalls, die Idee weiter am Leben zu erhalten. Mit dem 9 Milliarden Euro teuren Kauf der Dresdner Bank von der Allianz hat sich die Commerzbank auch bereit erklärt, in Deutschand Allianzprodukte zu vertreiben. Der Versicherer bleibt mit 30 Prozent an der neuen Finanzgruppe beteiligt, um seinen Vertriebskanal abzusichern.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Allfinanz nicht überall beliebt ist. Auf den ersten Blick scheint es für einen Versicherer genauso natürlich eine Bank zu besitzen, um Versicherungen zu verkaufen, wie es für einen Bauern naheliegt, eine Kuh zu halten, wenn er Milch verkaufen will. Aber zahlreiche Allfinanzanläufe, wie zum Beispiel der Kauf der Winterthur-Versicherung durch die Credit Suisse, endeten in Tränen. In der angelsächsischen Welt ist Allfinanz inzwischen entschieden aus der Mode gekommen.

Das Arrangement zwischen Allianz und Commerzbank könnte auch als Hochzeit aus Bequemlichkeit statt aus strategischen Überlegungen interpretiert werden. Commerzbank könnte sich die Übernahme der gesamten Dresdner Bank nicht leisten. Da ist es für Allianz am einfachsten, Aktien zu behalten und die exklusiven Vertriebsrechte der Dresdner Bank auf die Commerzbank auszudehnen. Aber ein Argument spricht für den Deal zwischen Commerzbank und Allianz. Allfinanz ist in Kontinentaleuropa üblich - rund 70 Prozent der Versicherungsumsätze in Frankreich laufen über Banken. Und auch wenn sich die Vertriebshoffnungen der Allianz mit der Dresdner Bank nicht ganz erfüllt haben, könnte die Entwicklung mit der neuen, größeren Bank anders verlaufen. Commerzbank wird rund 50 Prozent mehr Zweigstellen in die Verbindung einbringen als Dresdner, deren Filialen auch oftmals als unattraktiv empfunden werden.

Allianz jedenfalls hofft, dass sich die Versicherungsumsätze durch die neue Bank bis 2011 gegenüber dem 2007er Absatz der Dresdner - zugegeben ein schwaches Jahr - verdoppeln können. Das wäre auch für die Commerzbank ein gutes Geschäft. Die Bank verkauft Produkte der italienischen Generali-Versicherung, an die sie vertraglich noch bis 2010 gebunden ist. Danach, so die Pläne, will die Commerzbank ihre Strategie der Offenheit fortsetzen und Produkte von einer Reihe von Anbietern verkaufen.

Allianz Hoffnungen auf Versicherungsverkäufe durch die Commerzbank könnten also auch enttäuscht werden. Die alten Kritiker könnten wieder zu Wort kommen und dem Versicherer seine konfuse Strategie vorwerfen. Auf jeden Fall scheint es klug, den Nachruf nicht zu veröffentlichen, bevor die Lebensversicherten gestorben sind.

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