Allianz/Dresdner Bank
Geteilter Spott

Die deutsche Versicherung wird ihre Bankaktivitäten aufsplitten. Mit der lange überfälligen Entscheidung hat sich die Allianz für einen Weg entschieden, der es ihr erlaubt, sich aus dem Investmentgeschäft zurückzuziehen. Das Timing allerdings könnte kaum schlechter sein und eine Ausweitung des Privatkundengeschäfts erscheint auch nicht gerade sinnvoll.

Die Aufspaltung könnte bei der Allianz zu einem Plus durch ein Minus führen. Der deutsche Versicherungsgigant wird die Dresdner Bank aufsplitten und das Investmentbanking vom Privatkundengeschäft trennen. Damit wird es für die Allianz möglich, aus dem Investmentgeschäft auszusteigen. Eine Entscheidung, die schon lange überfällig ist. Der Zeitpunkt könnte allerdings kaum schlechter gewählt sein. Und die Begründung für den Plan – der Wunsch zur Konsolidierung im deutschen Privatkundengeschäft beizutragen – scheint wenig durchdacht.

Die Allianz hatte die Dresdner Bank im Jahr 2001 für 24 Milliarden Euro übernommen, um Versicherungsprodukte an Bankkunden verkaufen zu können und umgekehrt. Aber das Vorhaben verlief nicht nach Plan. Durch Umstrukturierungen schrumpfte die Belegschaft um 44 Prozent auf 26 000 Mitarbeiter und dennoch summierten sich die Verluste auf drei Milliarden Euro. Die Bank lastet auf dem Aktienkurs der Allianz und hat in den Augen einiger Analysten gegenwärtig noch einen Wert von weniger als acht Milliarden Euro.

Wenig zu bieten hat dem Versicherungskonzern auch die Investmentbank Dresdner Kleinwort, auch wenn sie in den vergangenen zwei Jahren mit Stefan Jentzsch unter einer klügeren Leitung stand. So steuerten strukturierte Finanzprodukte im guten Jahr 2006 einen Betriebsgewinn von lediglich 88 Millionen Euro bei. Im vergangenen Jahr brachten sie Verluste von 1,4 Milliarden Euro.

Es gibt nicht viele Kaufinteressenten für die Investmentsparte, wenn sich überhaupt welche finden. Close Brothers, die unabhängige britische Geschäftsbank, kann das Geschäft nicht stemmen. Vielleicht versuchen sich Jentzsch und einige Goldman-Sachs-Kollegen, die er zu Dresdner Kleinwort brachte, an einem vergünstigten Management Buyout. Sie können sich Zeit lassen. Die Aufspaltung der Dresdner Bank wird voraussichtlich ohnehin ein Jahr in Anspruch nehmen.

Auch wenn die Vorteile einer Trennung inzwischen erkannt wurden, könnte die Allianz sich durch ihre Überlegungen aber neue Probleme einhandeln. Sie will aktiv an der Konsolidierung des deutschen Privatkundengeschäfts teilnehmen, vielleicht durch eine Kombination ihrer gesunden Privatkundenaktivitäten mit der Deutschen Postbank. Aber das Bankgeschäft, in dem das Betriebsergebnis der Dresdner im vergangenen Jahr um 45 Prozent fiel, war die Hauptursache des Kursrückgangs der Allianzaktie um 40 Prozent seit dem Sommer. Acht Jahre brauchte die Allianz, um einzusehen, dass die Aufspaltung der Bankaktivitäten sinnvoll ist. So lange sollte es nicht dauern, bis man bemerkt, dass auch der Weg zu einem kompletten Ausstieg offen steht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%