Alternative Kraftstoffe
Algen treiben Autos an

Die Ethanol-Industrie verwandelt billige Nahrung in teures Benzin. Das ist nicht sehr effektiv und hilft wenig im Kampf gegen die globale Erwärmung. Doch es gibt eine echte Alternative: Algen. Der Energiegigant BP und einige Start-Ups untersuchen, wie man den grünen Dung in Benzin umwandeln kann.
  • 0

Die Vorstellung, Nahrung in Benzin zu verwandeln, scheint merkwürdig - auf den ersten und auch auf den zweiten Blick. Man braucht viel Dünger, Aufwand und Anbauflächen, um wenig Energie zu produzieren. Die gesamte Fläche der USA würde gerade mal so viel Mais produzieren, um die eigenen Autos knapp mit Benzin zu versorgen. Die meisten Studien zeigen auf, dass Ethanol weniger schädliche Emissionen als Gas hervorbringt, aber der Gewinn wiegt wahrscheinlich nicht den höheren Preis vom Speck bis Maistortillas aus. Dies erklärt auch, warum der Energiegigant BP und einige Start-Ups untersuchen, wie man Dung in Benzin umwandeln kann.

Algen sind vielleicht ekliger als Mais, aber sie haben eine Reihe von Vorteilen. Sie wachsen schneller, multiplizieren ihr Gewicht während eines Tages um ein vielfältiges. Theoretisch lässt sich mit Algen 40-Mal so viel Energie produzieren wie mit Mais. Und die Algen brauchen keinen erstklassigen Ackerboden, eine brackige Brühe in einem sonnigen Areal genügt vollkommen.

Trotz all dieser Vorteile setzt sich das grüne Zeug noch nicht durch. Es anzubauen kann schwierig sein. Die Saat kann sich mit unnützen Algenstämmen infizieren. Das Benzin vom Wasser zu trennen ist schwierig. Und niemand aus diesem Fachgebiet weiß, ob es besser sei verwässerte Mengen in billigen Tümpeln anzubauen oder konzentrierte Mengen in teuren, geschlossenen Bereichen anzubauen. Tatsächlich mag keines von beiden gelingen.

Vinod Khosla, der Venture Capital-Geber und grüne Guru, ist zum Beispiel der Meinung, dass die kurzfristige Algenwirtschaft nur funktionieren kann, wenn man genetisch veränderte Algenstämme in der Mitte des Ozeans anbaut - eine politisch undurchführbare Idee.

Aber Algen haben einen Vorteil, der früher oder später vielleicht doch den Ausschlag geben wird; sie brauchen nämlich sehr viel Kohlendioxid um schnell zu wachsen. Start-Up Unternehmen Greenful Technologies zum Beispiel verarbeitet Kraftwerksemissionen um die Produktion von Algen anzukurbeln. Das Unternehmen sagt, dies könne die CO2-Emission eines Gas- oder Kohlekraftwerkes um 80 Prozent reduzieren. Tatsächlich haben US Forscher der Regierung festgestellt, dass Algen der billigste Weg seien, die Verschmutzung rund um Kohle zu reduzieren. Nahrung in Benzin zu verwandeln mag vielleicht nicht viel Sinn ergeben, Abfall in Benzin umzuwandeln dagegen schon.

Kommentare zu " Alternative Kraftstoffe: Algen treiben Autos an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%