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Fuld hält sich tapfer bei Lehman

Zumindest war der Lehman-Chef bei der Berichterstattung über das zweite Quartal noch zugegen. Und zumindest – anders als bei Merrill Lynch im vergangenen Jahr – stimmten die aktuellen Zahlen des Unternehmens mit der Vorankündigung überein. Aber die Lohnkosten steigen weiter. Und Fulds Optimismus über Wachstum und Diversifizierung klingt voreilig.

Dick Fuld, Unternehmenschef bei Lehman Brothers, schlug sich wacker durch die Bekanntgabe der Zweitquartalsergebnisse. Bemerkenswert für jemanden, der Quartalsverluste in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar zu verantworten hat. Unglücklicherweise scheint sein Optimismus etwas voreilig.

Verglichen mit dem miserablen Standard, den die Investmentbanken gegenwärtig bieten, kann Lehman tatsächlich ein paar Pluspunkte vorweisen. Anders als andere krisengeschüttelte Unternehmenslenker hatte Fuld den Anstand zu erscheinen und sich den Fragen zu stellen - auch wenn er nach der Entlassung von Finanzvorstand und einem weiteren Vorstandsmitglied kaum eine andere Wahl hatte. Und anders als bei Merrill Lynch im vergangenen Jahr entsprachen die Verluste den zuvor angekündigten Zahlen. Aber darüber hinaus haben Anleger kaum Grund zu feiern.

Da sind zunächst die Gehälter. Selbst wenn man die Abfindungen unberücksichtigt lässt, zahlte Lehman seinen Angestellten im zweiten Quartal 18 Prozent mehr Gehalt als im ersten. Lehmans Begründung, die Gehaltserhöhungen seien notwendig gewesen, um Mitarbeiter zu halten, ist nicht überzeugend - schließlich reißen sich die Banken an Wall Street zur Zeit nicht gerade um neue Mitarbeiter. Wichtiger aber noch ist, dass die Nettoeinnahmen im zweiten Quartal negativ ausfielen. Katastrophal schnitt vor allem das Kapitalmarktsegment ab, aber auch im stabileren Investmentbanking sanken die Erträge weiter und selbst die Einnahmen aus der Vermögensverwaltung, die zwar oberhalb der Ergebnisse vom 2. Quartal 2007 lagen, konnten die Ergebnisse des ersten Quartals nicht mehr erreichen. Fulds Argument, dass die Geschäftstätigkeit bei Lehman auf diversifiziertem Boden ruht, klingt vor diesem Hintergrund kurzfristig nicht gerade überzeugend. Die Bank agiert nicht mehr so eindimensional wie 1998, ist aber immer noch in hohem Maße abhängig vom Geschäft mit Festverzinslichen. Die anderen Sparten sind nicht groß genug, um die Folgen einer Kreditkrise zu kompensieren.

Das Unternehmen hofft eine Eigenkapitalrendite von rund 15 Prozent erwirtschaften zu können, allerdings wirkt auch diese Prognose noch etwas voreilig. Fuld rechnet mit strengeren Vorschriften der Aufsichtsbehörden, sagte aber nichts über die eventuell mögliche Form der neuen Auflagen. Eine Beschränkung des Verschuldungsgrads könnte die Renditeerwartungen schnell schrumpfen lassen. Und auch das Wirtschaftsklima ist im Augenblick nicht gerade freundlich für Investmentbanken. Zumindest hat der Lehman-Chef versucht, einen Schlussstrich unter die jüngsten Verluste zu ziehen. Wenn er seinen Job behalten und seinen Weg weitergehen will, muss er Recht behalten.

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