Amazon
Aufgepasst, Wal-Mart!

Amazon hat sich Zappos.com gesichert. Zappos hat sich einen Namen als Internet-Schuhgeschäft gemacht. Nur wenige denken sofort an Amazon, wenn es um Bekleidung geht. Daher könnte der Web-Einzelhandelsriese auf dem 220 Mrd. Dollar schweren US-Bekleidungsmarkt den richtigen Schritt nach vorn machen, indem er sich die schnell wachsende Zappos unter den Nagel reist und die Marke beibehält.
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Amazon.com hat schon lange ein Faible für Größe. Der Internet-Einzelhändler expandiert mit schöner Regelmäßigkeit auf neue Märkte. Um jedes erdenkliche Segment hat der Webgigant seine Ausgangsbasis aus Büchern und DVDs mittlerweile ergänzt - von Elektrogeräten bis zu Werkzeugen. Doch trotz intensiver Bemühungen denken nur wenige Kunden bei Amazon sofort an Bekleidung. Daher könnte die vereinbarte Übernahme von Zappos.com für Aktien im Wert von fast einer Mrd. Dollar ein cleverer Weg sein, auf den 220 Mrd. Dollar schweren US-Bekleidungsmarkt vorzurücken.

Amazon muss den Motor am Laufen halten. Die Firma hat beträchtlich in ihr Distributionsnetz investiert. Je mehr Umsätze sie durch dieses System leiten kann, desto höher fallen die Gewinnmargen möglicherweise aus oder desto stärker kann das Unternehmen, wie schon so oft in der Vergangenheit, die Preise reduzieren, um seine Vorherrschaft im Interneteinzelhandel auszubauen.

Bei diesem jüngsten Abschluss will sich Amazon im Hintergrund halten. Die sich immer stärker durchsetzende Marke Zappos soll genau so beibehalten werden wie das Management der Gesellschaft. Das ist sinnvoll. Zappos wächst schnell und erhält regelmäßig erstklassige Kundenbewertungen, also scheint das Management nicht allzu vieles falsch zu machen. Und der Schuhhändler setzt dazu an, ebenfalls auf anderen Märkten zu expandieren.

Ob der Preis für die Übernahme stimmt, ist schwer zu sagen. Die Firma, die sich im Besitz von nur wenigen Gesellschaftern befindet, legt keine Zahlen zur Rentabilität offen - oder deren Mangel. Allerdings sorgte der potenzielle Börsengang von Zappos im Silicon Valley für einige Zeit für Gesprächsstoff. Doch da die Zahl unter dem Einfachen der Umsätze von 2008 liegt, erscheint sie vertretbar. Amazon selbst wird fast zum Doppelten der vergangenen Umsätze gehandelt. Darüber hinaus zahlt Amazon in Form von Aktien, statt ihren Bargeldschatz von 2,7 Mrd. Dollar anzuzapfen. Amazon wird mit mehr als dem Fünfzigfachen der für 2009 erwarteten Ergebnisse bewertet. Überteuerte Aktien gegen einen kleinen, aber ehrgeizigen Rivalen einzutauschen, sieht klug aus.

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