AMD/Intel
Vom Ehrgeiz getrieben

Der mutige, Jahrzehnte andauernde Kampf des Chipproduzenten gegen Intel hat letztendlich nicht viel mehr gebracht als ruinöse Preiswettkämpfe. Wohin der kostspielige Ehrgeiz geführt hat, zeigt sich jetzt. So traurig es klingt, AMD muss nun jede Kleinigkeit versilbern, um sich über Wasser zu halten.

AMDs jahrzehntelanger Kampf gegen Intel ist wahrhaftig mutig. Auch wenn diesem David einige Schläge gegen Goliath gelungen sind, hat er immer wieder die größeren Prügel während der ruinösen Preiskämpfe einstecken müssen. Wohin der schuldenschwere Ehrgeiz geführt hat, zeigt sich jetzt. AMD muss jede noch so kleine Aktivität verkaufen, wie zum Beispiel das digitale TV-Geschäft, um liquide zu bleiben.

Während AMD schon seit 2000 kontinuierlich Geld verloren hat, sind dem Unternehmen die Barmittel in den vergangenen Monaten immer schneller durch die Finger geglitten. Die Nettoschuldenlast von 6,3 Milliarden Dollar aus dem Kauf des Grafikchipproduzenten ATI lastet inzwischen schwer auf den Schultern von AMD. Hinzu kommt, dass die Chipproduktion laufende Investitionen erfordert.

Investitionen in die Produktion sind gut, solange sie in der Zukunft Gewinne versprechen. Traurig nur, dass die meisten Marktbeobachter glauben, dass Intel in der Chipproduktion um eine Nasenlänge voraus ist. Überraschend ist das nicht, wenn man bedenkt, dass Intels Forschungs- und Entwicklungsbudget ungefähr dreimal so hoch ist. Mikroprozessoren sind in der Regel ein Geschäft, bei dem der Gewinner alles einstreicht - so gesehen stehen die Chancen für AMD, zu Intel aufzuschließen, schlecht.

AMD könnte die Krise jedoch immer noch überwinden, wie so oft in der Vergangenheit. Intel könnte einen Fehler machen oder AMDs Verbündete könnten eine hilfreiche Hand ausstrecken. Computerproduzenten sind nicht gern an ein Intel-Monopolprodukt gebunden. Alles, was AMD also erreichen muss, um seinen Umsatz zu sichern, ist zu Intel aufzuschließen.

Selbst die Wettbewerbsbehörden haben ein Interesse daran. Bei der Europäischen Kommission laufen gegenwärtig Untersuchungen gegen Intel. Sollte sich dabei herausstellen, dass das Unternehmen seine Macht missbraucht, könnte der Wettbewerbsdruck auf AMD nachlassen.

Aber die nächste Chipgeneration braucht Zeit und Brüssel bewegt sich nicht sehr schnell. AMD vernichtet also weiter Liquidität - mehr als 600 Millionen Dollar allein in den vergangenen beiden Monaten. Der Börsenkurs des Unternehmens liegt unterhalb des Niveaus von vor 25 Jahren. Leider gibt es für AMD-Investoren nur wenig Licht am Ende des Tunnels.

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