American International Group
AIG-Chef Liddy: Falsches Rollenverständnis

AIG-Chef Liddy wird heftig dafür kritisiert, einbehaltene Boni ausgezahlt zu haben. Da die öffentliche Empörung so groß ist, könnten zukünftige Rettungsgelder gefährdet sein. Liddy führt sich zwar immer noch wie ein typischer verschlossener Unternehmenschef auf. Doch so schwer es ihm auch fallen mag, er muss seinen neuen Eigentümern Rede und Antwort stehen.
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Edward Liddy, der Chief Executive der American International Group (AIG), hat einen neuen Boss: den amerikanischen Steuerzahler. Es mag ihm zwar sehr schwer fallen, aber Liddy muss den neuen De facto-Eigentümern der Versicherungsgesellschaft Rede und Antwort stehen.

Am Mittwoch ist Liddy vom US-Kongress in die Zange genommen worden, nachdem AIG gerade 165 Mill. Dollar an Boni ausgezahlt hat, die sie vor einem Jahr in Aussicht gestellt hatte, um Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Diese Zahlungen haben die Öffentlichkeit zu Recht in Aufruhr versetzt - und gefährden möglicherweise die Bereitstellung künftiger Rettungsgelder. Auch wenn Liddy das Unternehmen nicht leitete, als diese Bonusverträge ausgearbeitet wurden, so hat er dennoch ihre Auszahlung zugelassen.

Einige politisch Verantwortliche sind der Ansicht, Liddy hätte mehr tun können, bevor er zahlte. Er hat jetzt seine Mitarbeiter gebeten, die Gratifikationen wieder zurückzugeben. Aber wenn er einen Verzicht vorgeschlagen hätte, bevor er die Boni überwiesen hat, hätte sich Liddy zumindest einen Teil des Zorns, der ihm nun von allen Seiten her entgegenschlägt, ersparen können. Einer der Fragesteller im Kongress wies sogar darauf hin, dass derlei vertragliche Bindungen doch oft angefochten werden. Und Versicherungen sind ja schließlich Experten darin, sich gegen Verträge, die sie zur Zahlung verpflichten, mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Liddy hätte die Boni einbehalten und die Mitarbeiter klagen lassen können.

Liddy hat einige gute Gründe dafür, dies nicht zu tun. Hätte er ein Zerwürfnis mit seinen Angestellten - von denen einige für die Demontage des problematischen Finanzbereichs von AIG wichtig sind - herbeigeführt, dann wäre der Abwicklungsprozess der toxischen Vermögenswerte, die den Beistand der Steuerzahler über bisher mehr als 170 Mrd. Dollar notwendig gemacht haben, unterbrochen worden.

Doch es mögen ja auch nicht nur - oder sogar hauptsächlich - die tatsächlichen Zahlungen sein, die die Steuerzahler so in Rage gebracht haben. Liddy packt es vielmehr völlig falsch an. Er hat die Boni abgesegnet, ohne vorher maßgebliche Politiker vollständig darüber ins Bild zu setzen, selbst wenn er die Genehmigung der US-Notenbank Federal Reserve dazu hatte. Selbst angesichts der Tatsache, dass die US-Regierung ihn eingesetzt hat, kehrt er doch in der Art und Weise, wie er kommuniziert, immer noch eher den verschlossenen Unternehmenschef heraus und nicht den Angestellten im öffentlichen Dienst - wie er seine Rolle eigentlich interpretieren müsste.

Die Steuerzahler und ihre Vertreter haben es verdient, genauer darüber informiert zu werden, was getan wird, um ihr Geld zu schützen - oder um, was wahrscheinlicher ist, zumindest ihre Verluste zu minimieren. Sie werden sicherlich zögern, AIG im Notfall noch mehr zukommen zu lassen, wenn Liddy und die Seinen sich nicht entgegenkommender verhalten. AIG stehen vier erstklassige PR-Berater zur Seite. Sie sollten das nächste Mal sicher stellen, dass sich Liddy als Erstes den Steuerzahlern öffnet.

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