American International Group
AIG: Uncle Sams Dilemma

Der neu ausgehandelte und erhöhte Rettungsplan für AIG über 150 Mrd. Dollar ist zwar besser strukturiert, bringt aber für die Steuerzahler geringere Kreditzinsen, einen verminderten Schutz und die gleiche Beteiligung von unter 80 Prozent an der Versicherungsgesellschaft mit sich.

Das aufgestockte Rettungspaket über 150 Mrd. Dollar für die American International Group (AIG) ist zwar besser strukturiert, aber das Risiko für die Steuerzahler hat sich erhöht, denn deren Schutz wurde nicht im gleichen Maße ausgeweitet. Indem die Beteiligung an AIG knapp unter der Schwelle von 80 Prozent gehalten wird, muss die US-Regierung den Giganten nicht in ihre Bücher aufnehmen. Aber diese Annehmlichkeit ist ein schlechter Beweggrund dafür, die Steuerzahler übers Ohr zu hauen. AIG hätte verstaatlicht werden sollen.

Bei dem neuen Rettungspaket haben sich zwei Punkte nicht geändert. Zum ersten AIG selbst: Die Versicherung ist, von ihren stabilen Geschäftsbereichen bis hin zu ihren zweifelhaften Vermögenswerten, insgesamt die gleiche geblieben. Zum zweiten wird die US-Regierung auf einer Beteiligung von 79,9 Prozent an dem, was schließlich von AIG übrig bleibt, sitzen bleiben.

Dann wären da die Unterschiede. In der ursprünglichen Rettungsversion - nennen wir sie Rettung 1.0 - hatte die US-Notenbank Federal Reserve einen Kredit über 85 Mrd. Dollar bereitgestellt. Seine Konditionen waren mit Bedacht hart gestaltet, darunter ein Zinssatz von Libor - das ist der Satz, zu dem sich Banken Gelder bei anderen Kreditinstituten beschaffen - plus 8,5 Prozent. Der letzte Deal, Rettung 2.0, umfasst einen Kredit über 60 Mrd. Dollar zu einem Zins von Libor plus drei Prozent und eine Portion an Vorzugsaktien über 40 Mrd. Dollar, die jährlich zehn Prozent abwerfen. Das heißt, die Steuerzahler erhalten geringere Zinsen bei einem größeren Kreditpaket.

Nach der ursprünglichen Rettungsaktion war noch eine Kreditfazilität über 38 Mrd. Dollar hinzugekommen - das war Rettung 1.5. Damit konnte AIG Ausleihungen bei der Fed vornehmen, wofür sie im Gegenzug Vermögenswerte als Sicherheiten hinterlegen musste. Bei der Rettung 2.0 stampft die Fed 52,5 Mrd. Dollar aus dem Boden, um zwei getrennte Vehikel zu finanzieren, die die zweifelhaften Vermögenswerte der Versicherung direkt aufkaufen. Das ähnelt ein wenig dem Engagement der Zentralbank über 29 Mrd. Dollar für den Kauf von Teilen der Vermögenswerte der zusammenbrechenden Bear Stearns, um die Bank für den Verkauf an JPMorgan herauszuputzen.

AIG selbst wird zu der Finanzierung beitragen und erste Verluste absorbieren - im Umfang von sechs Mrd. Dollar bei beiden Vehikeln. Auf den ersten Blick schützt diese Vereinbarung die Fed, aber da die Regierung fast 80 Prozent an AIG besitzen wird, geht der Großteil selbst dieser ersten Verluste eigentlich auf das Konto der amerikanischen Steuerzahler.

Natürlich ist es möglich, dass diese beiden Portfolios letztendlich doch Geld einfahren. Aber die Steuerzahler sind in der Verantwortung, wenn ihnen das nicht gelingt. Es gibt auch noch Unstimmigkeiten um den Preis, den die beiden Vehikel für die Vermögenswerte von AIG zahlen sollen. Das würde keine so große Rolle spielen, wenn die Regierung AIG einfach ganz übernommen hätte.

Warum also haben die Fed und das US-Finanzministerium AIG nicht ganz geschluckt? Vielleicht weil, wenn die Regierung 80 Prozent oder mehr an AIG gehalten hätte, sie die Verbindlichkeiten der Firma formell als ihre eigenen hätte ausweisen müssen. Aber das ist Bilanzkosmetik. Die Steuerzahler, die für die wachsenden Verluste des Unternehmens gerade stehen müssen, sollten zu 100 Prozent und nicht nur zu 80 Prozent davon profitieren, wenn es schließlich mit AIG vielleicht wieder aufwärts gehen sollte.

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