An den eigenen Worten messen
Den Worten müssen Taten folgen

Josef Ackermann hat die Bankenwelt ermahnt, ihr Engagement auf dem Subprime-Markt und in strukturierten Kreditprodukten offenzulegen. Seine Reden fanden Zustimmung und die meisten Banken schlossen sich dem Vorstoß an. Jetzt werden die Anleger durch neue Turbulenzen auf den Kreditmärkten aufgeschreckt. Ackermann täte gut daran, auch hier Transparenz zu zeigen.

Wird Josef Ackermann sich an seine eigenen Predigten halten? Der Deutsche-Bank-Chef hat sich selbst zum König der Transparenz gekürt. In den vergangenen fünf Monaten hielt er in Frankfurt und London hochkarätige Reden, in denen er die Branche dazu drängte, reinen Tisch zu machen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie hoch ihr Engagement in den schnell kollabierenden strukturierten Kreditprodukten tatsächlich ist.

Der Appell kam zu einer Zeit, als das Informationsdefizit drohte, das Finanzsystem in die Knie zu zwingen. Die Deutsche gehörte zu den ersten Banken, die den Wert ihrer mit Subprime-Krediten verbundenen Portfolios offenlegte. Darüber hinaus schickte sie ihre für die globalen Märkte verantwortlichen Leiter auf eine Blitztour zu Anlegern und Analysten, um für Klarheit zu sorgen.

Die Konkurrenz folgte Ackermanns Aufruf – und enthüllte vielfach umfangreichere Details über ihre CDOs (Collateralized Debt Obligations = durch einen Pool diversifizierter Vermögensgegenstände besicherte Wertpapiere) als selbst die Deutsche Bank. Aber das Rad hat sich seit Ackermans Reden weiter gedreht.

Am Donnerstag, wenn die Bank zur Ergebniskonferenz ruft, hat Ackermann die Chance, erneut Zeichen zu setzen. Die Deutsche sollte dabei eine Menge über die Verschiebung von Kreditrisiken erzählen können. Sie könnte einige Einzelrisiken eingegangen sein. Ein Stachel im Fleisch sind sicherlich die Gewerbeimmobilien, darunter ein Strauß von Bürogebäuden in Manhattan im Umfang von sieben Milliarden Dollar.

Das stark kreditlastige Finanzportfolio belastet die Bilanz. In Kanada ist die Deutsche in den chaotischen Markt für verbriefte Forderungen verstrickt. Hier und auch an anderen Stellen muss die Bank für Klarheit sorgen. Ackermanns Forderung nach größerer Transparenz ist da sehr willkommen. Aber Taten zählen mehr als Worte.

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