Analyse
Eine G-7-Agenda

Was sollten die G-7-Staaten aus der Kreditkrise lernen? Dazu gibt es zwei Hauptlektionen: Das Ignorieren der Preissteigerung bei Vermögenswerten geschieht auf eigene Gefahr. Zweitens: Es muss sichergestellt werden, dass den Banken ausreichend Liquidität zur Verfügung steht. Es gibt aber auch zwei Dinge, die die G-7 besser unterlassen sollten.

Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten werden bei dem Treffen der sieben führenden Industriestaaten (G-7) am 19. Oktober in Washington ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Es gibt zwei Dinge, die die Finanzminister unter der Leitung ihres amerikanischen Kollegen Hank Paulson und die Zentralbanken tun müssen, um zu vermeiden, dass sich die Kreditkrise wiederholt. Und es gibt zwei Dinge, die sie vielleicht versucht sind zu tun, die sie aber besser unterlassen sollten.

Fangen wir mit den Dingen an, bei denen Handlungsbedarf besteht. Der wichtigste Schritt wäre, dass die für die Geldpolitik Zuständigen eingestehen, dass ihre Politik des lockeren Geldes in den vergangenen Jahren dazu beigetragen hat, die Kreditblase aufzupumpen. Wäre keine spekulative Blase da gewesen, hätte es auch keinen Engpass gegeben. Wie konnte diese der Aufmerksamkeit der Zentralbanker entgehen? Wohl deshalb, weil die Währungshüter - allen voran der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan - sich auf die Kontrolle der Verbraucherpreise konzentriert haben. Aber die Verbraucherpreise sind nur ein Aspekt der Teuerung. In Zukunft müssen die Notenbanken auch die Asset-Price-Inflation, also die Preissteigerungen bei Vermögenswerten, im Auge behalten.

Als zweites müssen sich die G-7-Staaten damit befassen, wie die Banken reguliert sind. Das derzeitige System ermutigt Banken, sich auf die kurzfristige Kreditaufnahme zu verlassen und in illiquide langfristige Anlagen wie Hypotheken zu investieren. So lange genug Liquidität fließt, ist das rentabel, weil kurzfristiges Geld billiger ist als langfristiges. Aber es macht das gesamte Finanzsystem auch anfällig für Vertrauenskrisen - wie im August geschehen. Die Lösung wäre, die internationalen Vorschriften für das Bankenkapital umzuschreiben, um sicherzustellen, dass je stärker Banken auf kurzfristiges Geld angewiesen sind, sie ein umso größeres finanzielles Polster vorweisen müssen.

Kommen wir zu den zwei Versuchungen, denen die G-7-Länder widerstehen sollten. Die erste ist, die Hedge Fonds regulieren zu wollen. Besonders Frankreich und Deutschland brennen darauf. Aber Hedge Fonds haben in der ganzen Krise nur eine kleine Rolle gespielt. Und es kommt dazu, dass jegliche Regulierung ihrer Aktivitäten wahrscheinlich fruchtlos oder unglaublich schwerfällig wäre.

Viel besser wäre eine echte Kontrolle der Banken. Wenn es ihnen nicht erlaubt ist, an riskante Finanzierungen heranzukommen, dann werden sie wahrscheinlich auch nicht so schnell Geld zu lockeren Bedingungen an unregulierte Finanzinstitutionen wie Hedge Funds weiterreichen - auch nicht an Conduits, die während der Kreditkrise eine Menge Schaden angerichtet haben. In der Zwischenzeit sollte man die Hedge Fonds bei der Regulierung weitgehend sich selbst überlassen. In der vergangenen Woche hat eine Gruppe von britischen Spitzen-Fonds einen Verhaltenskodex veröffentlicht, in dem sie eine viel größere Transparenz befürworten. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Die zweite Versuchung für die G-7 wird die Kontrolle der Rating-Agenturen sein. Schließlich hatten Moody?s, S&P und Konsorten US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität, die seither drastisch an Wert verloren haben, mit der Bewertung "AAA" versehen. Aber das Ziel der G-7-Staaten sollte die Deregulierung, nicht die Regulierung der Agenturen sein. Ihre Ratings hatten nur deshalb so viel Einfluss auf die Märkte, weil die Agenturen nach der US-Gesetzgebung einen halboffiziellen Status inne haben, und aufgrund der Art und Weise, wie sie in die internationalen Vorschriften für das Bankenkapital eingebunden sind. Nehmt ihnen ihren halboffiziellen Status und sie werden ihre Meinungen verkünden wie jeder andere auch.

Wenn Paulson und seine Kollegen an diesen Fronten vorwärts kommen, dann werden sie das globale Finanzsystem in Zukunft viel sicherer machen - und gleichzeitig seine Dynamik bewahren.

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