Analyse
Lücken in der Verteidigung

Die Aktionäre von Mol sollten den Druck erhöhen. Die ungarische Erdölgesellschaft wehrt sich vehement gegen das Übernahme-Angebot über 14 Mrd. Euro von OMV. Obwohl der österreichische Konkurrent einen Aufschlag von 20 Prozent gegenüber dem vor der Offerte gesehenen Aktienkurs bietet, lehnt der Vorstand von Mol Gespräche rigoros ab.
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Selbst wenn es zu einer Abstimmung käme, müssten die Investoren erst die schäbige protektionistische Taktik des Unternehmens überwinden. Die Ungarn haben beachtliche Schutzwälle aufgeschüttet, um sicherzustellen, dass ihre Aktionäre keine echte Chance bekommen, über die OMV-Offerte zu entscheiden. Anstatt den seit Juni laufenden Aktienrückkauf über 1,6 Mrd. Dollar abzublasen, hat Mol diese Aktien an "befreundete Einrichtungen" weitergereicht und damit ihre eigene Satzung umgangen, die einen Besitz von mehr als zehn Prozent der Aktien verbietet.

Mol hält jetzt über 40 Prozent der Stimmrechte und kann damit jeden Versuch blockieren, eine Begrenzung der Stimmrechte auf zehn Prozent abzuschaffen. Die guten Verbindungen von Mol zur Regierung scheinen auch dazu beigetragen zu haben, die so genannte "Lex Mol" rasch durchzuwinken. Damit ist es jetzt noch schwieriger geworden, das Management von Unternehmen in strategischen Schlüsselbranchen zu stürzen.

Und doch sollten die Aktionäre den Vorstand mit allen verfügbaren Tricks bekämpfen. Die Ablehnung der OMV-Offerte durch das Management sieht nach einem Bruch der Sorgfalts- und Treuepflicht aus. Hier wird sich wahrscheinlich die EU-Kommission früher oder später einschalten. In der Zwischenzeit haben die Investoren angesichts des OMV-Angebots genug PR und rechtliche Möglichkeiten, um den Druck aufrecht zu erhalten.

Eine öffentliche Aktionärsrevolte wäre Mol sicherlich lästig. Zwar verfügen die unabhängigen Investoren der Gruppe nicht über genug Stimmrechte, um eine Kursänderung zu erzwingen. Aber sie können Hauptversammlungen einberufen und vom Vorstand verlangen, den Status der geparkten Aktien zu klären oder die mit Mol "befreundeten" Institutionen bitten, von einer Abstimmung über die Transaktion abzusehen. Und wenn alles schief geht, können die Anleger natürlich immer noch rechtliche Schritte ergreifen.

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