Anglo American
Riskante Alternative

Wenn sich Anglo American mit Hilfe weißer Ritter gegen die unerwünschte Offerte von Xstrata verteidigen will, dann kämen als mögliche alternative Bieter Vale oder Chinalco in Frage. Der Haken: Die Verteidiger könnten eher am Rohstoffspektrum von Xstrata interessiert sein.
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Eine Auktion für Anglo American auf die Beine zu stellen, könnte schwieriger werden als es zunächst erscheinen mag. Die Zurückweisung der "inakzeptablen" 70 Mrd. Dollar schweren Fusionsofferte unter Gleichen von Xstrata durch die südafrikanische Minengesellschaft beinhaltete implizit die Forderung nach einem Deal zu besseren Konditionen. Aber die Chancen von Anglo, ihren in der Schweiz beheimateten Konkurrenten zu einem üppigen Aufschlag überreden zu können, würden steigen, wenn die Südafrikaner das Interesse eines weißen Ritters wecken könnten.

Zu den offensichtlichen alternativen Bietern könnten die brasilianische Vale oder eine staatlich gestützte chinesische Gruppe wie Chinalco gehören. Beide sind auf der Suche nach Ressourcen und beide haben eine dicke Brieftasche.

Der Haken für Anglo besteht allerdings darin, dass die potenziellen weißen Ritter stärker daran interessiert sein könnten, sich Xstrata unter den Nagel zu reißen. Mit ihrem unvermittelten Übernahmeangebot hat sich die Bergbaugesellschaft auf Beutezug praktisch selbst ins Spiel gebracht. In einem Brief an den Board von Anglo räumt Xstrata ein: "Es steht allgemein außer Frage, dass das Streben nach Größe und Diversität als Vorbedingungen für den Erfolg unsere Branche auf einen unumkehrbaren Kurs der Konsolidierung gebracht hat."

Vale ist ein Verfechter dieser "Groß ist besser"-Theorie. Die Bilanz der von der brasilianischen Regierung gestützten Minengesellschaft würde einen Bar- und Aktiendeal tragen, um sich Anglo oder Xstrata zu sichern, wodurch der Marktwert von Vale auf etwa 120 Mrd. Dollar steigen würde. Strategisch ist das Unternehmen zudem darauf aus, sein Engagement bei Kupfer und Kokskohle auszuweiten. Und das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von Xstrata aus diesen Rohstoffen wird 2011 um 50 Prozent über dem von Anglo liegen, schätzt Citigroup.

Letztlich passt Xstrata auch besser zu Vale. Sicher, die Synergien aus einem Zusammenschluss zwischen Vale und einem der anderen beiden Unternehmen verblassen angesichts des Betrags von über einer Mrd. Dollar, die Xstrata angeblich aus einer Fusion mit Anglo herausholen will. Aber die Brasilianer könnten Synergien mit dem Nickelgeschäft von Xstrata von 200 Mill. Dollar pro Jahr schaffen. Aus diesem Grund hatte sich Vale im vergangenen Jahr auch an Xstrata herangepirscht - ein Versuch, der von Glencore, die 35 Prozent an Xstrata hält, zunichte gemacht wurde.

Wie es um das Interesse der Chinesen bestellt ist, ist schwerer auszuloten. Da China besondere Beziehungen zu Afrika unterhält, ist es unmöglich, ein Gebot für Anglo auszuschließen. Aber aus dem gescheiterten Versuch von Chinalco, sich mit dem Bergwerksgiganten Rio Tinto zusammenzuschließen, konnte ein spezielles Interesse an Eisenerz herausgelesen werden. Und auf diesem Gebiet ist Anglo nur ein Nebendarsteller. China ist auch kein Schlüsselmarkt für die Diamanten von Anglo, urteilt Liberum Capital. Und nachdem der Rio-Deal in Australien schlecht aufgenommen worden war, könnte China das einfachere Portfolio von Xstrata vorziehen, das geringere politische Verwicklungen nach sich ziehen dürfte.

Anglo könnte dennoch einen weißen Ritter präsentieren, um Xstrata zu demonstrieren, dass das Unternehmen Alternativen hat. Aber da jetzt beide Bergbauunternehmen im Spiel sind, wird dies nicht einfach werden.

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