Anglo-Goldman-Konflikt
Die Goldminen von Goldman

Goldman Sachs berät BHP bei ihrem Versuch, Rio Tinto für 150 Mrd. Dollar zu übernehmen. Gleichzeitig hat die Investmentbank auch den Branchenkonkurrenten Anglo American, zumindest teilweise, als Klienten behalten. In einer früheren Ära, als es bei Bankgeschäften noch auf ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Parteien ankam, wäre die Bank hinausgeflogen.

Im Bergbausektor bekommt Goldman Sachs das eine, ohne das andere zu lassen – zumindest teilweise. Obwohl die Investmentbank BHP Billiton bei ihrer geplanten Übernahme von Rio Tinto über 150 Mrd. Dollar berät, hat sie den Konkurrenten Anglo American teilweise als Klienten behalten. In einer längst vergangenen Ära, als im Bankgeschäft ein Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien unabdingbar war, wäre die Bank hinausgeflogen. Aber heute ist ein Banker mit einer tiefen und bewährten Beziehung zu einem Kunden so selten geworden wie einer, der noch einen Hut trägt. Und so hat sich die verschmähte und abgestumpfte Anglo noch nicht einmal dazu aufraffen können, Goldman eine Ohrfeige zu verpassen.

Es stimmt schon, die südafrikanische Bergwerksgesellschaft verzichtet jetzt auf die Bank in ihrer Rolle als strategische Beraterin der Gruppe. Sie brennt verständlicherweise nicht mehr darauf, die Ratschläge von Goldman zur Branchenkonsolidierung zu hören, während die Investmentbank gleichzeitig einen ihrer drei schärfsten Konkurrenten berät. Aber Anglo ist es zufrieden, die Wall Street-Firma als ihren Firmenbroker und als die Bank, die mit dem Verkauf ihrer Tochter Tarmac über sechs Mrd. Pfund Sterling beauftragt ist, bei der Stange zu halten.

Man kann es Goldman kaum zum Vorwurf machen, dass die Investmentbank bei dem Mega-Abschluss zwischen BHP und Rio Punkte für die Rennlisten sammeln will. Selbst die Gebühren werden ansprechend ausfallen, auch wenn sie angesichts der großen Zahl an Beratern bei der Transaktion in viele kleine Stücke aufgeteilt werden müssen. Goldman ist auch kaum die erste Bank, die ihre Möglichkeiten abwägt und auf dieser Basis einen Kunden dem anderen vorzieht.

Doch das letzte Kapitel dieser Geschichte ist noch nicht geschrieben. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis Anglo von der Branchenkonsolidierung erfasst wird. Die jüngsten Gerüchte besagen, Anglo könnte sich im Fadenkreuz von Xstrata befinden. Wenn das eintritt, wird die südafrikanische Gruppe nach einem vertrauenswürdigen Berater Ausschau halten. Das Unternehmen war im Verlauf des Jahres von JPMorgan Cazenove zu Goldman gewechselt, anscheinend weil JPMorgan so enge Verbindungen zu Xstrata unterhält.

Der einzige langjährige Berater, der noch auf dem Dienstplan von Anglo steht, ist UBS. Die Bank ist bisher noch nicht in die Legende um BHP und Rio verwoben. Damit könnten die Schweizer in einer guten Position sein, um sich Fleißpunkte für ihre Loyalität zu verdienen. Aber angesichts der Angewohnheit der Unternehmen, sich mehrere Berater zu halten, ist es sogar möglich, dass Goldman auch von diesem Kuchen noch ein Stück abkriegt.

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